Anorgasmie: 42 Jahre ohne einen Orgasmus

24.05.2010 | Izabela M

Ist das überhaupt möglich? Aber gewiss. Die Erscheinung wird als Anorgasmie bezeichnet und wird durch viele Faktoren verursacht. Mehr darüber im Artikel.

 

 

Anorgasmie, Orgasmusstörung.
Bei der Anorgasmie handelt es sich um eine Orgasmusstörung. (PhotoXpress)

 

Was ist Anorgasmie?

Obwohl der Orgasmus in Filmen bei jedem Geschlechtsverkehr als etwas Selbstverständliches dargestellt wird, ist das im realen Leben nicht immer der Fall. Zum Thema Anorgasmie wurden schon einige Dokumentarfilme gedreht, in denen uns sogar Frauen in reiferen Jahren anvertrauen, dass sie noch nie im Leben einen Orgasmus erlebt haben. Ein Orgasmus wird von verschiedenen Faktoren bedingt. Er entsteht unter dem Einfluss einer komplexen Reaktion auf das körperliche, emotionelle und psychologische Geschehen. Wenn unser Körper auf einen oder mehrere dieser Faktoren nicht spontan reagiert und sie nicht als angenehm empfindet, kann das auch unsere Orgasmusfähigkeit beeinträchtigen. Als Laien würden wir diesen Zustand als Frigidität bezeichnen, die Experten haben diese Erscheinung jedoch schon in den Sechzigern als Anorgasmie benannt.

Drei Arten der Anorgasmie

Es gibt drei Arten der Anorgasmie, und zwar die primäre, sekundäre und situative Anorgasmie. Von der primären Anorgasmie sind Frauen betroffen, die noch nie im Leben zum Orgasmus gekommen sind, ungeachtet der Anzahl und Art ihrer sexuellen Erfahrungen. An der sekundären Anorgasmie leiden Frauen, die zu einem bestimmten Punkt ihres Sexuallebens einfach den „Orgasmus verlieren“. Also wenn sie früher beim Geschlechtsverkehr problemlos zum Orgasmus kamen, ist diese Fähigkeit jetzt aus verschiedenen Gründen gestört. Bei der situativen Anorgasmie kann die Frau zwar problemlos einen Orgasmus erleben, aber nur, wenn sie die Umstände als anregend empfindet. Diese Frau wird z. B. bei der Penetration oder Selbstbefriedigung zum Orgasmus kommen, jedoch nicht beim Cunnilingus. Alle Arten der Anorgasmie sind natürlich heilbar, man muss jedoch erst die wahren Ursachen finden.

 

Anorgasmie, Ursachen für Anorgasmie.
Die Anorgasmie ist heilbar, man muss jedoch erst die Ursachen finden. (PhotoXpress)

 

Körperliche Ursachen für Anorgasmie

Die häufigsten körperlichen Ursachen für Anorgasmie sind verschiedene Krankheiten, unter anderem auch Diabetes und neurologische Erkrankungen wie die multiple Sklerose. Den Orgasmus können auch unangenehme gynäkologische Eingriffe wie z. B. die Hysterektomie oder Krebstherapie beeinträchtigen. Außerdem wirkt sich auch die Dyspareunie bzw. schmerzhafter Geschlechtsverkehr auf die Anorgasmie aus. Auch einige Medikamente können eine orgasmushemmende Wirkung haben, darunter am häufigsten Medikamente zur Blutdruckregelung, Antihistaminika und Antidepressiva. Bei Männern können als Nebenwirkung dieser Medikamente außer der Anorgasmie auch Störungen der Erektionsfähigkeit oder Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Erektion vorkommen. Der Orgasmus wird natürlich auch von zu viel Alkohol oder der Einnahme illegaler Substanzen beeinträchtigt. Der natürliche Faktor, den wir nicht vermeiden können, ist der Alterungsprozess. Mit den Jahren verändern sich natürlich die Anatomie, die Hormone, das neurologische System und das Zirkulationssystem, was auch Anorgasmie bewirken kann. Bei Frauen sinkt in der Menopause ihr Östrogenspiegel, was zahlreiche Folgen mit sich bringt. Die Klitoris, die Haut und die Brustwarzen können weniger empfindlich werden. Das ist jedoch keine Regel, deswegen passiert es oft, dass die Frauen gerade nach der Menopause ihre Sexualität neu entdecken und sie wieder beleben.

Psychologische Ursachen für Anorgasmie

Auch viele psychologische Faktoren können die Fähigkeit zum Orgasmus beeinträchtigen. Außer der Angstneurose und Depression kann auch die Angst vor dem Geschlechtsverkehr an sich die Sexualität stark hemmen. Solche Ängste haben vor allem Männer, wenn sie vom Gedanken darüber, wie sie abschneiden werden, belastet sind. Das sexuelle Verlangen hängt auch von den alltäglichen Belastungen ab, wie z. B. den finanziellen Sorgen und dem Stress. Einen besonderen Bereich stellen auch die kulturellen und religiösen Werte dar, die mit ihren Prinzipien ebenso einen Einfluss auf das Sexualleben der Menschen haben. Die Erziehung kann einem Menschen die Botschaft vermitteln, dass es sich nicht gehört, den Geschlechtsverkehr zu genießen, was auch Schuldgefühle nach sich zieht. Es geht jedoch nicht bloß um die Vermeidung der Schuldgefühle, sondern auch um die Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft und natürlich vor der modernen Pest – AIDS.

Beziehungsprobleme als Ursache für Anorgasmie

Paare, die außerhalb ihres Schlafzimmers Probleme haben, können die Probleme auch mit ins Bett nehmen. Meistens handelt es sich um eine schlechte Bindung zum Partner, versteckte oder offene Konflikte, mangelnde sexuelle Kommunikation, unerhörte Wünsche des Partners oder Untreue. In solchen Fällen können die Paare auch einen Therapeuten aufsuchen, der ihnen hilft, die Krise zu bewältigen.

 

Übersetzungen

SLO | HRV | ENG | DEU | RUS

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