Fehlgeburt
Was versteht man eigentlich unter einer Fehlgeburt und wodurch entsteht sie? Wie kann man eine Fehlgeburt verhindern?
Die Fehlgeburt ist eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft vor der 24. Schwangerschaftswoche. (PhotoXpress)
Eine Fehlgeburt kommt zwar nicht häufig vor, doch das Risiko besteht während jeder Schwangerschaft. Eine von 12 bestätigten Schwangerschaften endet mit einer Fehlgeburt, meistens in den ersten 12 Wochen.
Was versteht man unter einer Fehlgeburt?
Fehlgeburten werden in Frühaborte (bis zur 12. Schwangerschaftswoche) und in Spätaborte (12. bis 24. Schwangerschaftswoche) unterteilt, wobei die Frühaborte zahlenmäßig überwiegen. Dank den Fortschritten in der Neonatologie konnte die Lebensfähigkeit der Fötusse außerhalb der Gebärmutter so weit gesteigert werden, dass man ab Beginn der 24. Schwangerschaftswoche von einer Totgeburt und nicht mehr von einer Fehlgeburt spricht.
Wann kann es zu einer Fehlgeburt kommen?
Die meisten Fehlgeburten treten zwischen dem 3. und 4. Schwangerschaftsmonat auf. Die meisten Vaginalblutungen in den ersten 20 Schwangerschaftswochen können auf eine Fehlgeburt oder auch auf eine andere Erkrankung hinweisen. Die Zahl kann lediglich geschätzt werden, da Fehlgeburten in den ersten Schwangerschaftswochen oft subklinisch verlaufen, d. h. als Unregelmäßigkeit des Menstruationszyklus fehlinterpretiert werden.
Wie stellt man fest, ob es sich wirklich um eine Fehlgeburt handelt?
Im Ultraschall ist unter Umständen der Fötus in der Gebärmutter erkennbar. Man stellt fest, ob der Fötus noch am Leben ist oder nicht. Wenn die Gebärmutter leer ist, spricht man von einer Bauchhöhlenschwangerschaft. Es kann aber auch möglich sein, dass es zu einer Fehlgeburt schon gekommen ist. Wenn im Ultraschall der Puls vom Fötus erkennbar ist, fällt die Möglichkeit für eine Fehlgeburt von 50 % auf nur 3 %.
Zu einer Fehlgeburt kommt es am häufigsten in den ersten 12 Schwangerschaftswochen. (PhotoXpress)
Die Formen der Fehlgeburt
1. Abortus imminens - drohende Fehlgeburt
Bei dieser Abortform ist der Zervikalkanal geschlossen und die Gravidität noch intakt. Es kommt jedoch zu einer vaginalen Blutung mit oder ohne Wehentätigkeit. In der vaginalen Untersuchung ist die Zervixlänge vollständig, der Muttermund verschlossen. Im Ultraschall ist unter Umständen ein begrenztes, retroplazentares Hämatom darstellbar. Dieses kann sich organisieren und ausheilen, sofern es nicht zum Abort kommt.Therapeutisch gibt es lediglich Empfehlungen zum Aufhalten des Geschehens. Hierzu gehört die Bettruhe und körperliche Schonung für die Dauer der vaginalen Blutung. Vaginale Untersuchungen sollen auf das Nötigste reduziert werden. Die Vitalitätszeichen des Föten sollen in regelmäßigen Abständen mittels Ultraschall und serieller beta-hCG-Messung überprüft werden.
2. Abortus incompletus - unvollständige Fehlgeburt
Beim Abortus incompletus wurde ein Teil der Schwangerschaft, nicht selten der Embryo bzw. Fötus, bereits ausgestoßen, oft bleiben Plazentateile in der Gebärmutter zurück, welche zu persistierenden vaginalen Blutungen, aszendierenden, d. h. aufsteigende, Infektionen oder gar zu einer malignen Entartung führen können. In der klinischen Untersuchung sind die ausgestoßenen Schwangerschaftsteile im Zervikalkanal resp. in der Scheide sichtbar. Diese Anteile sind unvollständig. Abortus incompletus - unvollständiger Abort ist häufig zwischen der 8. bis 16. Schwangerschaftswoche.
3. Abortus completus - vollständiger Fehlgeburt
Hierbei handelt es sich um einen vollständigen und gleichzeitigen Abgang der gesamten Frucht, was den Embryo oder Fötus, die Eihäute und die Plazenta beinhaltet. Meist handelt es sich hierbei um einen Frühabort. Ein kompletter Abort nach der 16. SSW ist selten. Bei dieser Form der Fehlgeburt kann von einer Kürettage abgesehen werden, wenn die Blutung spontan nachlässt, der Uterus sich unverzüglich zurückbildet und das Abortmaterial komplett ist.
4. Abortus febrilis - septische Fehlgeburt
Dieser Begriff bezeichnet eine fiebrige Fehlgeburt. Bei der unkompliziertem Verlaufsform besteht lediglich eine lokale Infektion der Gebärmutterschleimhaut| (Endometritis). Die komplizierte Form beinhaltet eine Entzündung der Gebärmutter und der Adnexen. Die schwerwiegendste Form, der septische Abort, geht mit einer massiven Bakterienbelastung des Blutes, Entzündungen der Beckenorgane und einer Bauchfellentzündung einher und kann als septisch-toxischer Schock letal enden. Heute ist diese Form der Fehlgeburt sehr selten. In der Vergangenheit kam es aber wegen der unsterilen Abtreibungen häufig zu einem septischen Abort.
5. Abortus habitualis - habituelle Fehlgeburt
Ab drei Fehlgeburten spricht man von einem habituellen Abort bzw. einer wiederholten Fehlgeburt. Betroffen sind ca. 1 % aller Paare mit Kinderwunsch, wobei sich in 40 % der Fälle keine Ursache finden lässt.
Da hierbei der embryonale bzw. fetale Karyotyp häufiger unauffällig ist, wird als mögliche Erklärung für eine wiederholte Fehlgeburt eine gestörte Interaktion zwischen mütterlichem und kindlichem Gewebe angenommen.
Bei der Fehlgeburt kann sich der tote Fötus manchmal selbst ausscheiden. (PhotoXpress)
Ursachen für eine Fehlgeburt
Bei der Fehlgeburt handelt es sich um ein multifaktorielles Ereignis. Mütterliche, fetoplazentare, immunologische, andrologische und weitere Gründe werden unterschieden.
Der Anteil der Frühgeburten ist in Deutschland nach Informationen der BKK-Niedersachsen-Bremen auf 10 % gestiegen. Die häufigsten Ursachen sind Fruchtwasserinfektionen, ausgelöst z. B. durch Geschlechtskrankheiten. Ebenso kann Rauchen vor und in der Schwangerschaft Auslöser von Frühgeburten sein. In vielen Fällen lässt sich jedoch keine Ursache für die verfrühten Wehen finden. In den westlichen Ländern wird die neonatale Sterblichkeit heute im wesentlichen durch die Mortalität bei Frühgeborenen bestimmt. In neueren Untersuchungen konnte außerdem gezeigt werden, dass auch Parodontitis eine Ursache von Frühgeburten und/oder einem niedrigen Geburtsgewicht sein kann. Außerdem kann eine Plazentainsuffizienz Ursache für eine Frühgeburt (Not-Kaiserschnitt, weil das Ungeborene unterversorgt ist) sein, die durch seelischen Stress hervorgerufen werden kann.
80 % der Fehlgeburten in den ersten zwei Tagen der Schwangerschaft entstehen durch Chromosomenfehler Dadurch ist die Zahl der behinderten Neugeborenen wesentlich kleiner.
Therapie nach einer Fehlgeburt
Das therapeutische Procedere hängt von der Form und dem Stadium der Fehlgeburt, welche die Möglichkeit einer Schwangerschaftserhaltung definieren, ab. Die medizinische Therapie (für die Mutter) ist die Kürettage (Ausschabung), insbesonder verbliebener Plazentareste. In fortgeschritteneren Schwangerschaftsstadien (ab der etwa 12. Woche) muss das Kind in der Regel auf dem üblichen Weg geboren werden.
Beide Möglichkeiten bringen unterschiedliche, doch gleich niedrige Risiken mit sich. Wenn keine medizinischen Komplikationen, wie z. B. hohes Fieber oder sehr starke Blutungen auftreten, sollte die Mutter selbst entscheiden können, welchen Weg sie gehen will, um die Schwangerschaft zu beenden. Eine vorangehende ärztliche Beratung ist auf jeden Fall unbedingt empfehlenswert, eine Geburtsbegleitung durch eine Hebamme oder Krankenschwester bei einer kleinen Geburt ist der Idealfall. Aufgrund der in aller Regel psychisch belastenden Situation hilft es vielen Frauen (Paaren) bei der Bewältigung einer Fehlgeburt, sich therapeutische Unterstützung oder Unterstützung durch den Kontakt mit anderen betroffenen Frauen zu holen (Selbsthilfegruppe). Wird eine solche Beratung, ein psychologisches Gespräch oder ein Gespräch mit anderen Betroffenen, möglichst gemeinsam mit dem Partner, vor einer etwaigen Kürettage oder kleinen Geburt in Anspruch genommen, kann dies die anschließende Trauerarbeit wesentlich erleichtern und traumatische Erlebnisse verhindern oder mindern.

































