Führt die Besessenheit vom virtuellen Sex zu Depressionen?

29.05.2010 | Izabela M

Australische Forscher haben herausgefunden, dass virtueller Sex zu den Faktoren gehört, die sogar Depressionen hervorrufen können. Stimmt das?

 

 

Virtueller Sex, Pornografie im Internet.

Die australischen Forscher glauben, dass virtueller Sex nicht so harmlos ist, wie man vielleicht glauben möchte. (PhotoXpress)

 

Virtueller Sex: Wenn die Realität von der Virtualität übertroffen wird

In der Zeit, in der sich unser Leben mit einer rasanten Geschwindigkeit abspielt, findet man kaum Zeit für die Suche nach Liebe und Romanzen, die uns all das bieten würden, was wir uns von einer Beziehung erhoffen. Auch den Sex. Da der Weg zum Sex manchmal zu kompliziert und anstrengend ist, stellt das Internet einen hervorragenden Ersatz dafür dar. Mit dem Besuch von pornographischen Seiten und Erotik-Chatrooms vermeidet man einfach alles, was man sich auf dem ersten (und den folgenden) Date normalerweise vorspielt. Die Männer müssen sich bei der virtuellen Befriedigung keine Gedanken über die Erektion oder den vorzeitigen Samenerguss machen, da ihr Ziel ausschließlich Selbstbefriedigung ist. Darüber hinaus führen wir beim virtuellen Sex Regie beim eigenen Pornofilm. Wir klicken nur an, was uns gefällt und uns in dem Moment am meisten erregt. Männer können wann immer sie wollen ganz einfach Sex mit zwei Frauen gleichzeitig haben und die Frauen können ihre geheimsten und leidenschaftlichsten Fantasien ausleben. Auf diese Weise weckt jeder auch den Voyeur in sich. Heute soll es eine Brünette sein, morgen eine Blondine, mal törnt uns der Hintern an und mal die großen Brüste – und von alledem sind wir bloß einen Mausklick entfernt. Die Benutzer solcher erotischen Internetseiten betonen, dass virtueller Sex stark dem Sex mit einem Unbekannten ähnelt und deswegen noch verlockender ist.

Virtueller Sex: Soziale Kontakte können vernachlässigt werden

Eine australischen Studie der Swinburne University of Technology in Melbourne hat ergeben, dass Menschen, die regelmäßig erotische Internetseiten besuchen, ihr heißes Hobby auch mehrere Stunden pro Tag ausüben. Das kann jedoch nach und nach dazu führen, dass man seine sozialen Kontakte abbricht und das soziale Leben in den Hintergrund gerückt wird. Der Grund dafür, dass das erotische Hobby so zeitaufwendig ist, liegt darin, dass die Benutzer meist Männer sind, die eine Frau für eine bestimmte Sexpraktik und eine schnelle Befriedigung suchen. Diese Männer sagen, dass es leichter ist, eine Nadel im Heuhaufen zu finden als eine Frau, die bereit ist, sie virtuell zu befriedigen. An der Umfrage waren vorwiegend hochgebildete Menschen beteiligt, die bei der Frage "Wann war Ihre letzte ernste Beziehung?" auch länger überlegen mussten. Die meisten verbringen ungefähr 12 Stunden pro Woche in Erotik-Portalen und Chatrooms. Dabei benutzen sie Kameras, Videos, Bilder und erotische E-Mails. 65 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie die Person am anderen Computer auch persönlich getroffen haben.

 

Virtueller Sex, virtuelle Fantasien.

Diejenigen, die ihre virtuellen Fantasien länger ausleben, sollen depressiver sein. (PhotoXpress)

 

Virtueller Sex: Knnen Depressionen hervorgerufen werden?

Die Studie belegte jedoch nicht nur einen Einfluss auf das soziale Leben der Menschen. Marcus Sqirrell, Assistent an der oben erwähnten australischen Universität, hat in einer Gruppe von 1.325 Befragten herausgefunden, dass die Benutzer von gefährlich schwacher mentaler Gesundheit sind. Mehr als 27 Prozent der Befragten wurden als mittel bis schwer depressiv eingestuft, 30 Prozent der Befragten fühlten sich stark seelisch eingeengt und hatten ungeklärte Angstzustände, 35 Prozent standen unter Stress. Die statistische Analyse hat ergeben, dass Depressionen und Stress direkt proportional zur verbrachten Zeit im Internet sind. Oder anders gesagt: Je mehr Zeit man auf den erotischen Internetseiten verbringt, desto größer sind die Anzeichen für eine Depression.

Das Ganze ähnelt der Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Auch bei der Interpretation der Studienergebnisse kann man sich dieselbe Frage stellen. Ist es möglich, dass die australischen Forscher die Studie falsch interpretiert haben und sie vom anderen Gesichtspunkt hätten ausgehen müssen? Nämlich, dass das psychische Befinden nicht von der verbrachten Zeit auf pornographischen Internetseiten beeinflusst wird, sondern dass das psychische Befinden einen Einfluss darauf hat, wie lange die Menschen virtuellen Sex haben?

 



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