Hormonpflaster zeigen angeblich keine Wirkung!

12.04.2010 | T. P.

In der Hoffnung auf ein erfülltes Sexualleben kaufen Frauen teure Hormonpflaster. Diese zeigen aber angeblich keine Wirkung.

 

 

Mit den Intrinsa Hormonpflaster wird den Frauen Testosteron verabreicht, der einen Einfluss auf die sexuelle Lust haben soll. (PhotoXpress)

Mit den Intrinsa Hormonpflaster wird den Frauen Testosteron verabreicht, der einen Einfluss auf die sexuelle Lust haben soll. (PhotoXpress)

 

Hormonpflaster Intrinsa von Procter & Gamble

Hormonpflaster werden vor allem bei der Behandlung von HSDD eingesetzt, einer Reihe von Syndromen, die ein dauerhaft vermindertes sexuelles Verlangen bei Frauen nach ihrer Menopause oder einer Eierstockentfernung zur Folge haben. Eine vom Pharmaunternehmen Procter & Gamble finanzierte Studie hat gezeigt, dass HSDD ein ernstes und klinisch relevantes Problem darstellt. Dasselbe Pharmaunternehmen hat auch sofort eine Lösung für dieses Problem auf den Markt gebracht, die in Europa bereits zur Verfügung steht, in den USA ist man damit jedoch auf ein Hindernis gestoßen. Die zuständigen Behörden haben nämlich den Entschluss gefasst, dass es nicht genug Beweise für eine langfristige Sicherheit der Hormonpflaster gibt. „Bei allen Studien, die bis heute veröffentlicht wurden, haben nur sorgfältig ausgewählte Frauen teilgenommen. Die Ergebnisse weisen auf einen geringen Fortschritt hinsichtlich der sexuellen Parameter und auf einen starken Placeboeffekt hin,“ erklärte Ike Iheanacho, der Redakteur von "Drug and Therapeutics Bulletin", wo Revisionen von bereits veröffentlichen Studien erschienen sind. "Wir können zurzeit nicht mit Sicherheit sagen, ob eine langwierige Therapie sicher ist. Es treten oft unerwünschte Nebenwirkungen auf, die nicht unbedingt reversibel sind. Deswegen können wir Frauen mit einer sexuellen Dysfunktion den Gebrauch von Intrinsa nicht empfehlen."

Wie funktionieren die Hormonpflaster?

In der natürlichen oder künstlichen Menopause produziert der weibliche Körper weniger Hormone als davor. Das zieht viele Folgen nach sich, darunter auch den Mangel an Geschlechtsverkehr, da der weibliche Körper, der unfruchtbar und fortpflanzungsunfähig geworden ist, seine sexuelle Funktion auf ein Minimum beschränkt. Weil jedoch die Sexualität in der modernen Gesellschaft auch im reiferen Alter zum alltäglichen Leben gehört, kommt es durch die Unterschiede zwischen Männern und Frauen oft vor, dass Frauen auch nach der Menopause Verlangen nach Sex verspüren. Weil das verminderte sexuelle Verlangen negative Auswirkungen auf das Leben der Frau hat, haben Ärzte damit begonnen, diesen natürlichen Zustand des Körpers mit Hormontherapien zu behandeln. Mit den Intrinsa Hormonpflastern wird den Frauen Testosteron verabreicht, der einen Einfluss auf die sexuelle Lust haben sollte. Die Störung mit verminderter sexueller Appetenz wird kurz als HSDD bezeichnet und ist eine Kombination aus verschiedenen psychologischen und körperlichen Faktoren. Dabei handelt es sich nicht um Frauen, die keinen Geschlechtsverkehr haben können, sondern die kein Verlangen danach verspüren. Dieses mangelnde Verlangen wird hormonell behandelt. Ike Iheanacho und seine Kollegen haben Studien geprüft, an denen ungefähr 4.000 Frauen teilgenommen haben. Die meisten dieser Studien dauerten weniger als 6 Monate, was eindeutig zu kurz ist, um die langfristige Sicherheit dieser Therapie einschätzen zu können. Am wichtigsten waren Studien an den Frauen, bei denen die Menopause künstlich herbeigeführt wurde. Bei diesen Studien sollten alle anderen Einflüsse ausgeschlossen werden, die das sexuelle Verlangen beeinflussen könnten. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Nebenwirkungen oft auftraten und dass auch ein Teil der Kontrollgruppe Fortschritte aufwies, obwohl diese Frauen keine Hormonpflaster benutzten. So ist dieser geringe Vorteil der Hormonpflaster wahrscheinlich nichts anderes als ein Placeboeffekt oder die Zeit hat einfach das Ihre getan.

Wirksamkeit der Hormonpflaster

Das Hormonpflaster Intrinsa war wirksamer als das Placebo. Die gemeinsame Auswertung der Ergebnisse der Studien hat gezeigt, dass Frauen, die das Mittel Intrinsa erhielten, in einem Zeitraum von vier Wochen im Durchschnitt 1,07 mehr befriedigende sexuelle Interaktionen hatten als Frauen, die ein Placebo bekamen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Intrinsa (die bei mehr als 1 von 10 Patientinnen auftraten) sind Hirsutismus (übermäßiger Haarwuchs, vor allem im Bereich von Kinn und Oberlippe) und Hautreaktionen an der Applikationsstelle des Pflasters (Rötung und Juckreiz). Das sind natürlich nicht die einzigen Nebenwirkungen. Da Testosteron ein männliches Sexualhormon ist, müssen Frauen, die das Hormonpflaster Intrinsa verwenden, überwacht werden, um androgene Nebenwirkungen (Entwicklung von männlichen Geschlechtsmerkmalen) ausschließen zu können, wie z. B. Haarwuchs im Gesicht, eine tiefere Stimme oder Haarausfall. Wenn bei einer Frau solche Nebenwirkungen auftreten, sollte sie einen Arzt konsultieren.

 


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