Ist eine vaginale Entbindung nach einem Kaiserschnitt überhaupt noch möglich?

22.04.2010 | Izabela M

Obwohl nach einem Kaiserschnitt von vaginaler Entbindung oft abgeraten wird, hat sie in manchen Fällen eine sehr hohe Erfolgsrate.

 

 

                 

In manchen Fällen verläuft die vaginale Entbindung nach einem Kaiserschnitt erfolgreich. (PhotoXpress)

In manchen Fällen verläuft die vaginale Entbindung nach einem Kaiserschnitt erfolgreich. (PhotoXpress)

 

Die Statistik lügt nicht

Der Kaiserschnitt ist ein größerer abdominaler operativer Eingriff, der zwei Schnitte erfordert. Der erste Schnitt geht durch die Haut und die Bauchdecke und der zweite durch die Gebärmutter, damit es zur Entbindung kommen kann. Obwohl der Kaiserschnitt oft notwendig ist, meistens zum Schutz der Mutter, wünschen sich bei der zweiten Schwangerschaft viele Frauen eine vaginale Entbindung, falls das möglich ist. In Deutschland begann man sich nach dem Jahr 1990 ernsthaft für die Senkung der Kaiserschnittrate durch Förderung einer vaginalen Entbindung nach einem Kaiserschnitt zu interessieren, und zwar erfolgreich. Weil zu der Zeit in Amerika ganze 25 % der Kinder mit einem Kaiserschnitt zur Welt gebracht wurden, hat das amerikanische nationale Gesundheitsinstitut die Initiative ergriffen und zusammen mit den amerikanischen Frauenärzten angefangen, die Ärzte dazu anzuregen, den werdenden Müttern eine vaginale Entbindung zu erlauben, obwohl sie bereits einen Kaiserschnitt hatten. Inzwischen hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass die Ärzte jeder Schwangeren unter bestimmten Voraussetzungen einen Entbindungsversuch gestatten. Erst wenn Komplikationen auftreten, wird wieder ein Kaiserschnitt gemacht. Bei ganzen 70 % aller Frauen, die eine Kaiserschnittentbindung hatten und bei der nächsten Schwangerschaft eine vaginale Entbindung wollen, ist diese erfolgreich.

Was beeinflusst die Entscheidung des Arztes?

Ob der Arzt einer Frau, die bereits eine Kaiserschnittentbindung hinter sich hat, einen Entbindungsversuch gestattet, hängt von vielen Faktoren ab. Falls er bezüglich dieser Frage vor allem negative Erfahrungen sammelte, wird er der werdenden Mutter von dieser Art der Entbindung eventuell abraten. Beim Entbindungsversuch werden wahrscheinlich auch eine Hebamme, ein Narkosearzt und ein Operationsteam, das bei Komplikationen trotz der laufenden Endbindung einen Kaiserschnitt durchführen kann, dabei sein. In größeren Krankenhäusern steht dieses Fachpersonal stets zur Verfügung. Weil bei der Entbindung Komplikationen auftreten können, muss in kleineren Krankenhäusern und Gesundheitszentren für das erforderliche Personal im Voraus gesorgt werden. Die Entscheidung des Arztes richtet sich auch nach dem Grund, wieso bei der ersten Entbindung von der Vaginalgeburt abgeraten und ein Kaiserschritt gemacht wurde. Manchen Frauen wird wegen des Schnittes, der bei der ersten Entbindung gemacht wurde, von einer vaginalen Entbindung abgeraten. Falls beim Eingriff auch der obere Teil der Gebärmuttermuskulatur einbezogen wurde, erhöht eine vaginale Entbindung die Gefahr, dass die Narbe an der Gebärmutter aufgeht. Gerade deshalb sollte die Frau vor der Entbindung ein eingehendes Gespräch mit einem Arzt führen, da es zu einer Uterusruptur bzw. einem Gebärmutterriss kommen kann.

Uterusruptur

Die Uterusruptur ist zwar eine seltene, jedoch sehr ernste Erscheinung. Sie kann Hysterektomie, Verletzungen der Harnwege, Hirnverletzungen beim Kind wegen Sauerstoffmangels, die Notwendigkeit einer Transfusion, Gebärmutterentzündungen oder sogar den Tod der Mutter oder des Kindes verursachen. Mögliche Ursachen für einen Gebärmutterriss sind ein Trauma, die Größe des Kindes oder eine Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge, Drillinge, …). Frauen, die nach einem Kaiserschnitt eine vaginale Geburt möchten, werden während der Entbindung genau überwacht. Obwohl eine Uterusruptur nur schwer zu erkennen ist, kann bereits die erhöhte Herzfrequenz ein Anzeichen dafür sein, dass die Kaiserschnittnarbe aufgeht. Die Entscheidung darüber, welche Art der Entbindung es sein wird, fällt der Arzt, nachdem er den Verlauf der vorherigen Entbindungen der Frau studiert und aufgrund dieser Erkenntnisse das Risiko bei der vaginalen Entbindung abgeschätzt hat. Er wird wahrscheinlich keine Prostaglandine einsetzen, also Stoffe, die Ähnlichkeit mit Hormonen aufweisen und im Körper viele Funktionen haben, unter anderem sind sie z. B. für das Zusammenziehen und Entspannen des Muskelgewebes verantwortlich.

Wann stehen die Chancen für eine erfolgreiche vaginale Entbindung am besten?

Der Arzt wird davon ausgehen, dass es bei Frauen, die mehr als 90 kg wiegen oder älter als 35 Jahre sind, bei einer vaginalen Entbindung eher zu Komplikationen kommt. Ob die vaginale Entbindung gut verläuft, hängt auch von der Größe und dem Gewicht des Kindes ab. Falls das Kind größer ist, ist die vaginale Entbindung nach einem Kaiserschnitt risikoreicher, deswegen wird davon abgeraten. Auch der Grund, wieso zuvor ein Kaiserschnitt gemacht wurde, kann die Entscheidung beeinflussen. Falls das Kind in der Beckenendlage geboren wurde, es also mit den Beinen und dem Beckenende voranging, ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen vaginalen Entbindung größer als bei Frauen, die alle Kinder mit einem Kaiserschnitt bekamen. Wenn die Frau bereits eine vaginale Entbindung hinter sich hat, liegen ihre Chancen, dass eine weitere vaginale Entbindung nach dem Kaiserschnitt gut verläuft, bei 89 %. Falls sie jedoch nach dem Kaiserschnitt bereits vaginal entbunden hat, liegt die Erfolgsrate einer erneuten vaginalen Entbindung sogar bei 93 %.

 



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