Macht Bisphenol A tatsächlich unfruchtbar?

6.05.2010 | T. P.

Bisphenol A wird zur Produktion von Kunststoffen gebraucht, die weiter in zahlreiche Alltagsgegenstände verarbeitet werden. Doch wie gefährlich ist Bisphenol A wirklich!

 

 

Bisphenol A befindet sich in den meisten Plastikfolien, mit denen wir unsere Nahrungsmittel verpacken. (PhotoXpress)

Bisphenol A befindet sich in den meisten Plastikfolien, mit denen wir unsere Nahrungsmittel verpacken. (PhotoXpress)

 

Bisphenol A (BPA)

In den USA und der ganzen Welt werden intensiv Nachforschungen über den Einfluss von Bisphenol A auf die Fruchtbarkeit des Menschen angestellt. Es handelt sich vor allem um den Einfluss auf die Fähigkeit der Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterwand. Obwohl die amerikanische Regierung (U. S. Food and Drug Administration) den Einfluss von Bisphenol A auf die Gesundheit des Menschen zurückgewiesen hat, haben viele Wissenschaftler gerade das Gegenteil herausgefunden. Leider werden die Forschungen zurzeit nur an einer kleinen Population von Menschen oder Tieren durchgeführt, weswegen sie den strengen Kriterien des Ministeriums noch nicht entsprechen. Das Problem ist nicht unbeträchtlich, da sich Bisphenol A in den meisten Plastikfolien befindet, mit denen wir unsere Nahrungsmittel verpacken. Auf diese Art kommt es unmittelbar und auf täglicher Basis in unseren Körper. Bisphenol A ist auch in Plastik enthalten, die zur Produktion von Babyflaschen benutzt wird, was noch besonders gefährlich ist, falls der schädliche Einfluss bewiesen wird.

Was sagen die bisherigen Forschungsergebnisse?

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Julie Lamb von der University of California hat den Bisphenol-A-Spiegel bei Menschen gemessen, die sich für eine künstliche Befruchtung außerhalb der Gebärmutter entscheiden mussten. 93 % der Frauen und 81 % der Männer hatten einen erhöhten BPA-Spiegel. Dr. Richard J. Paulson, der Leiter der Abteilung Division of Reproductive Endocrinology and Infertility at the University of Southern California Keck School of Medicine, kommentierte die Forschungsergebnisse wie folgt: "Die meisten Frauen hatten messbare Bisphenol-A-Werte, was bedeutet, dass sich BPA unzweifelhaft im Körper der Frauen befindet, die künstlich befruchtet werden. Zurzeit ist die Wichtigkeit dieser Information noch unzuverlässig."

Dr. Shelley Ehrlich von der Harvard School of Public Health untersuchte zusammen mit ihren Kollegen den Einfluss von Bisphenol A auf das Sperma der Männer. Die Untersuchung zeigte keine Verbindung zwischen der Spermaqualität und dem Bisphenol-A-Spiegel im Körper. In die Untersuchung waren jedoch nur 71 Männer einbezogen, was für jegliche positive Schlussfolgerungen deutlich zu wenig ist. Paulson gab zu den Ergebnissen folgenden Kommentar ab: "Es ist beruhigend, obwohl die Autoren darauf aufmerksam machen, dass der Umfang zu klein war und die Forschungsergebnisse Übergangscharakter haben."

Schon eine kurze Exponiertheit dem BPA kann zu Unfruchtbarkeit führen

Dr. Lusine Aghajanova von der University of California schlug bei ihrer Arbeit einen anderen Weg ein. Sie entnahm Zellen aus der Gebärmutter und setzte sie Bisphenol A in einer Dosis aus, die ein durchschnittlicher Amerikaner in sich trägt. Sie kam zu folgendem Ergebnis: „Es hat sich herausgestellt, dass sich die Zellenteilung schon durch eine kurze Exponiertheit dem BPA deutlich verringert. Die Ergebnisse sprechen demnach für einen Einfluss des Bisphenol A auf die weitere Entwicklung dieser Zellen und ihre Fähigkeit der Aufnahme der befruchteten Eizelle.“ Somit kann sich die Eizelle nicht in der Gebärmutter einnisten und eine Schwangerschaft ist nicht möglich.

Tierversuche zeigten, dass Bisphenol A dasselbe Verhalten wie das weibliche Hormon Östrogen aufzeigen kann, deswegen sind viele Fachleute besorgt, dass Bisphenol A zu einer falschen Entwicklung des Embryos führen und für Komplikationen bei der Geburt sorgen kann. Bisphenol A wird auch mit anderen Krankheiten in Verbindung gebracht, u. a. mit Krebs, Diabetes und Übergewicht. Ja, Sie haben richtig gelesen, in Amerika ist auch das eine Krankheit.

 



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