Sex nach einem Schlaganfall

16.03.2010 | T. B.

Dass sich der Sex nach dem Schlaganfall verändert, ist unumgänglich. Lesen Sie über die Folgen und Wege zur Besserung.

 

 

Männer erleiden im Durchschnitt schneller einen Schlaganfall. (jlp)

Männer erleiden im Durchschnitt schneller einen Schlaganfall. (jlp)

 

Statistische Angaben zum Schlaganfall

In Deutschland erleiden jährlich 150.000 Menschen einen Schlaganfall. In entwickelten Ländern liegt die Sterberate bei rund 15 %, in unentwickelten ist sie deutlich höher. Die Hypertonie (Bluthochdruck) stellt den größte  Risikofaktor dar, an dem rund ein Drittel der erwachsenen deutschen Bevölkerung leidet. Die weiblichen Patientinnen sind mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren meistens älter als die männlichen Erkrankten, die in der Regel schon mit 70 einen Schlaganfall erleiden. In den USA konnte ein Rückgang der Hirngefäßerkrankungen verbucht werden, vor allem wegen der vorbildlichen Kontrolle in Bezug auf die Hypertonie. In Deutschland sind solche Präventivmaßnahmen noch stark ausbaufähig.

Die Zeit spielt eine entscheidende Rolle

In Europa ist der Schlaganfall die dritt häufigste Todesursache. Statistische Angaben belegen, dass rund 30 % der Hirnschlagpatienten dauerhafte Schäden erleiden, obwohl nicht alle zu Pflegefällen werden. 20 % der Geschädigten brauchen nach der Therapie und der vollendeten Rehabilitation ständige Hilfe bei mindestens einer Tätigkeit oder Verrichtung im alltäglichen Leben, die meisten Überlebenden eines Schlaganfalls brauchen jedoch institutionelle Hilfe. Ein schwerer Hirnschlag verursacht schwere Formen von Behinderung. Unter den am Hirnschlag Erkrankten sind 55 % so stark behindert, dass sie ganzzeitlich versorgt werden müssen, andere tragen eine leichtere Behinderung davon, es gibt jedoch auch Patienten, bei denen keine neurologischen Ausfälle mehr auftreten. Heutzutage gibt es bei Schlaganfall sehr erfolgreiche Therapieansätze, doch bleibt die Zeit ein entscheidender Faktor der Genesung.

 

Ein Schlaganfall bringt körperliche und psychische Veränderungen mit sich. Am schwierigsten zu ertragen sind jedoch die Verhaltensstörungen. (jlp)

Ein Schlaganfall bringt körperliche und psychische Veränderungen mit sich. Am schwierigsten zu ertragen sind jedoch die Verhaltensstörungen. (jlp)

 

Wie wird einem Schlaganfall vorgebeugt?

Es ist wichtig, alle beeinflussbaren Risikofaktoren zu vermeiden. Das können bestimmte Krankheiten oder schlechte Gewohnheiten sein. Die erste Gruppe bilden: ein erhöhter Blutdruck, zu hohe Blutzuckerwerte, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Herzrhythmusstörungen, die Blutgerinnsel verursachen, und einige seltene Erkrankungen, wie z. B. Bindegewebserkrankungen, Gefäßentzündungen und Blutgerinnungsstörungen. Die risikoreichsten Gewohnheiten sind das Rauchen, eine übertriebene Esslust, mangelnde körperliche Aktivität, Alkoholismus und Drogenabhängigkeit. Überlebende mit den genannten Vorgeschichten erreichen oft ein niedrigeres Lebensalter und sind einem erhöhten Risiko eines erneuten Hirnschlags ausgesetzt.

Wie verändert sich der Sex nach einem Schlaganfall

Der Schlaganfall beeinträchtigt das Leben des Patienten sowie seiner Angehörigen drastisch, da die partnerschaftlichen Verhältnisse aus dem Gleichgewicht geraten. Ein Schlaganfall beeinflusst die Bewegungsfähigkeit und die Fähigkeit Gefühle zu zeigen sowie das Kommunikationsvermögen des Patienten. All das sind Faktoren, die für eine funktionierende Sexualität von Bedeutung sind.

 

Der Wunsch, nach einem Schlaganfall wieder ein uneingeschränktes Leben zu führen, stellt für die Sexualität eine große Hürde dar. (jlp)

Der Wunsch, nach einem Schlaganfall wieder ein uneingeschränktes Leben zu führen, stellt für die Sexualität eine große Hürde dar. (jlp)

 

Welche körperlichen und psychischen Folgen verhindern den Sex nach einem Schlaganfall?

Erektionsstörungen treten bei etwa 80 % aller männlichen Patienten auf und lassen meistens nach einigen Monaten von alleine nach. Trotzdem können viele Paare den Sex nach einem Hirnschlag nicht mehr unbekümmert genießen. Besondere Schwierigkeiten verursachen nämlich auch urologische Störungen, die nach einem Schlaganfall häufig sind. Großen Einfluss haben aber auch psychische Probleme (ein angeschlagenes Selbstbild), die auch durch die Einnahme von Antidepressiva verursacht werden können. Außerdem können der Sex und die Partnerschaft durch Verhaltensstörungen, wie z. B Erregbarkeit oder Apathie, beeinträchtigt werden. Viele befürchten, dass der Sex erneute Probleme verursachen wird und vermeiden ihn deshalb. Die Befürchtung, Sex nach einem Schlaganfall könnte einen erneuten Schlaganfall verursachen, ist jedoch unbegründet. Oft verändert sich auch die Kommunikation zwischen den Partnern. Der Betroffene kann seine Fähigkeit zu reden oder andere zu verstehen verlieren.

Ein Schlaganfall kann verschiedene Bereiche des Gehirns in Mitleidenschaft ziehen, in einigen Fällen kann so auch die Empfindung der Geschlechtsorgane beeinträchtigt werden. Und auch die Funktion des Hypothalamus, des Bereichs im Gehirn, der die Hormontätigkeit überwacht, kann nach einem Hirnschlag vermindert werden. Diese Beeinflussungen können dazu führen, dass sich das sexuelle Verlangen nach dem Hirnschlag vergrößert oder das Verhalten während des Verkehrs ungewöhnlich oder sogar unangemessen wird.

 

Frauen, die einen Schlaganfall erlitten haben, können schwanger werden. (jlp)

Frauen, die einen Schlaganfall erlitten haben, können schwanger werden. (jlp)

 

Der Sex nach einem Schlaganfall wird nie mehr ganz wie früher sein

Das größte Problem stellt die neue Situation dar, die es dem Betroffenen schwer macht, sich mit ihr abzufinden. Zu akzeptieren, dass es nie wieder so wird, wie vor dem Schlaganfall, ist wichtig, denn so erwartet der Patient keine Wunder und braucht keine Angst zu haben, enttäuscht zu werden. Was auch sehr lähmend seine kann, ist die Angst, dass man für den Partner nicht mehr attraktiv ist. Doch in den meisten Fällen ist es für die Partner schwieriger, sich mit den Veränderungen der Persönlichkeit auseinanderzusetzen.

Schwangerschaft nach einem Schlaganfall

Der Hirnschlag und die Schwangerschaft haben wechselseitige Auswirkungen. Der Schlaganfall kann auch eine Folge der Einnahme der Antibabypille sein. Während der Schwangerschaft soll das Risiko eines Schlaganfalls dreimal höher sein. Unter den Experten besteht, was das angeht, keine einheitliche Meinung. Frauen, die schon einen Schlaganfall erlitten haben, sind während der Schwangerschaft nicht stärker gefährdet. Doch auch hier gilt, dass jeder Fall als Einzelfall behandelt werden muss. Meistens verläuft die Empfängnis nach einem Schlaganfall problemlos, die Frauen werden jedoch bis zur Geburt stärker überwacht. Einige Frauen nehmen in diesem Fall Medikamente zur Blutverdünnung ein.

 



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