Was kann man gegen unkontrollierbaren Urinverlust tun?
Mit den Jahren beginnen immer mehr Frauen, an Harninkontinenz zu leiden. Wie kann man etwas gegen unkontrollierbaren Urinverlust tun?
Im Fall von Frauen im Alter über 64 Jahren leiden ganze 70 Prozent davon an unkontrollierbarem Urinverlust. (jlp)
Worum handelt es sich bei unkontrollierbarem Urinverlust?
Bei unkontrollierbarem Urinverlust oder Harninkontinenz handelt es sich um den Verlust der Fähigkeit, den Urin sicher in der Harnblase zurückhalten zu können. Unkontrollierbarer Urinverlust stellt für viele Frauen, wie auch für so manche Männer, ein großes soziales und hygienisches Problem dar. An unkontrollierbarem Urinverlust leiden vor allem Menschen höheren Alters. Bei Männern bis 64 wird unkontrollierbarer Urinverlust in etwa 1,5 bis 5 Prozent aller Fälle verzeichnet, wogegen der Prozentsatz von Frauen der gleichen Altersgruppe zwischen 10 und 30 liegt. Im Fall von Frauen über 64 leiden sogar ganze 70 Prozent davon an unkontrollierbarem Urinverlust! Diesbezüglich ist hervorzuheben, dass unkontrollierbarer Urinverlust keine normale Alterserscheinung ist, sondern ein krankheitsbedingtes Leiden.
Was kann zu unkontrollierbarem Urinverlust führen?
Mit fortschreitendem Lebensalter kommt es zu bestimmten Veränderungen des menschlichen Körpers, die auf das Aufkeimen von unkontrollierbarem Urinverlust einwirken können. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Elastizitätsschwund der Harnblasenwände, um geminderte Dehnbarkeit des Harnblasenmuskels, um die Senkung der Anzahl von spontanen Harnblasenkontraktionen, usw. Aufgrund von hormonellen Veränderungen in ihrem Körper, vor allem aufgrund von Östrogenschwund nach der Menopause, leiden Frauen sehr oft im angesprochenen Abschnitt ihres Lebens an unkontrollierbarem Urinverlust. An unkontrollierbarem Urinverlust leiden aber auch Frauen jüngeren Alters. Die häufigsten Ursachen von unkontrollierbarem Urinverlust bei Frauen sind die Schwächung der Beckenbodenmuskulatur aufgrund von mehreren Geburten oder aufgrund von Übergewicht, Erkrankungen des Muskel- oder des Nervensystems und die Einnahme von Medikamenten, deren Nebenwirkungen am häufigsten auf die Blasenfunktion einwirken (Anticholinergika, Neuroleptika, Diuretika, Beruhigungsmittel, Hypnotika u. ä.).
Welche Formen von unkontrollierbarem Urinverlust werden unterschieden?
Die häufigste Form von unkontrollierbarem Urinverlust ist die so genannte Stressinkontinenz, im Zuge jener unkontrollierbarer Urinverlust durch erhöhten Baucheindruck, durch das Heben, Tragen, Treppensteigen, Lachen, Husten und Niesen hervorgerufen wird. Die nächste Form von unkontrollierbarem Urinverlust ist die so genannte Reflexinkontinenz, die durch eine Störung oder Zerstörung der vom Gehirn ausgehenden Hemmungsbahnen hervorgerufen wird, wodurch es zu so genannten reflexartigen Detrusor-Kontraktionen kommen kann, die zu unkontrollierbarem Urinverlust führen. Bei der so genannten Überlaufinkontinenz kommt es aufgrund von Abflussstörungen zu einer ständig übermäßig gefüllten Harnblase. Der Druck innerhalb der Blase steigt über den Verschlussdruck, der den Urin in der Blase hält, hinaus, was unkontrollierbaren Urinverlust zur Folge hat. Neben den angesprochenen Formen von unkontrollierbarem Urinverlust spricht man auch von der so genannten Mischinkontinenz und über die so genannte extrautherale Inkontinenz.
Durch einen gesunden Lebenswandel und mithilfe von Kegelübungen kann unkontrollierbarem Urinverlust vorgebeugt werden. (jlp)
Wie wird unkontrollierbarer Urinverlust behandelt?
Die Behandlung von unkontrollierbarem Urinverlust hängt von dessen Formen ab. Bei etwa 60 Prozent aller daran Leidenden wirkt die physikalische Therapie in Form von Beckenbodenmuskeltraining (Kegelübungen) kombiniert mit den entsprechenden Medikamenten am besten. Im Zuge der physikalischen Therapie werden verschiedene walzenförmige Einlagen unterschiedlichen Gewichts in die Scheide eingeführt, die die Patientin dann versucht, durch Kontraktionen des Beckenbodenmuskels in der Scheide zu halten. Es werden auch Vaginal- und Rektaleinlagen zur Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur eingesetzt.
Östriol ist das Medikament, das bei Frauen nach der Menopause, die an unkontrollierbarem Urinverlust leiden, am häufigsten eingesetzt wird, um den Östrogenhaushalt zu regulieren und dadurch das Harnröhren- und das Scheidengewebe zu unterstützen.
Operative Eingriffe kommen erst dann infrage, wenn alle anderen Behandlungsformen versagen. Bei operativen Eingriffen in Fällen von unkontrollierbarem Urinverlust werden Pfänden oder Bändchen am Harnblasenauslauf befestigt, die ihn mit dem Muskelbindegewebe der Bauchhöhle verbinden. Durch das Zusammendrücken der Bauchhöhle wird der Harnblasenhals angehoben, wodurch unkontrollierbarer Urinverlust vermieden wird.
Wie kann man unkontrollierbarem Urinverlust vorbeugen?
Unkontrollierbarem Urinverlust kann wie folgt vorgebeugt werden:
- gehen Sie alle 3 bis 4 Stunden auf die Toilette, auch wenn Sie keinen Harndrang verspüren,
- versuchen Sie beim Urinieren den Wasserstrahl mehrmals zwischendurch zu unterbrechen,
- meiden Sie koffeinhaltige Getränke (Kaffee, Tee),
- meiden Sie Alkohol,
- führen Sie vor anstrengenden physischen Aktivitäten immer ein Tampon in die Scheide ein, um Druck auf die Harnröhre zu bringen und den Urinverlust dadurch einzudämmen,
nehmen Sie mindestens 2 Liter Flüssigkeit täglich zu sich, um das
Harnsystem in Gang zu halten,- stärken Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur durch Kegelübungen,
- reduzieren Sie Ihr Körpergewicht, sofern Sie an Übergewicht leiden sollten,
- sollten Sie rauchen, so versuchen Sie damit aufzuhören.
































