Wird HSDD auch auf Ihre Menopause folgen?
Viele Frauen machen nach der Menopause oft unliebsame Bekanntschaft mit HSDD. Erfahren Sie mehr darüber.
Frauen, die nach der Menopause eine verminderte Libido empfinden, leben schlechter als Frauen, deren Libido immer noch stark vorhanden ist. (PhotoXpress)
Frauen verändern sich nach der Menopause
Wenn wir die Sache wirklich vereinfachen wollten, könnten wir die Situation wie folgt erklären. Wir Menschen entwickeln und verändern uns unser Leben lang. Am stärksten spüren wir die Veränderungen, wenn unser Körper anfängt, Sexualhormone zu produzieren, und wenn er damit aufhört. Also in der Pubertät und in der Menopause. Körperliche Veränderungen nehmen großen Einfluss auf alle Aspekte unseres Lebens, ganz besonders auf die Sexualität. Die Menopause stellt für Frauen ein natürliches und notwendiges Übel dar, und nach der Menopause gestaltet sich das Leben völlig anders, mit anderen guten und schlechten Aspekten als vor der Menopause.
Die Logik der Geschäftemacher und so genannter Ärzte, die auf der anderen Seite des großen Teichs ihrem Treiben nachgehen, ist geradezu luzid. Der Gedankengang, nach dem sie verfahren, verläuft wie folgt. Frauen, die nach der Menopause eine geminderte Libido empfinden, leben – aus medizinischer Sicht gesehen – schlechter als Frauen, deren Libido immer noch stark vorhanden ist. Das verminderte sexuelle Verlangen oder Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD), wie das Syndrom auf Englisch bezeichnet wird, soll ähnliche Probleme mit sich bringen wie Diabetes, Osteoporose oder Asthma. HSDD wird als "Zustand von dauerhaft vermindertem oder fehlendem sexuellem Verlangen" beschrieben, der zu "hohem Stress oder Beziehungsproblemen führen kann" und in einigen Kreisen schon als psychische Krankheit angesehen wird. Wenn ich mir mal eine etwas karikierende Schlussfolgerung erlauben dürfte: Wenn Ihre Eierstöcke ihre Produktionstätigkeit einstellen oder wenn Sie die Lust am Sex verlieren, sind Sie im Grunde verrückt und brauchen Hilfe. Und zwar teure, fachkundige Hilfe.
Was wurde erforscht und wie?
Die Forschung wurde von Procter & Gamble gesponsert, und von Frau Dr. Andrea K. Biddle von der Universität von South Carolina in Charleston, SC, USA durchgeführt. Es wurden Daten von 1189 Frauen ausgewertet, die eine künstliche (hervorgerufen aufgrund des Entfernens der Eierstöcke) oder eine natürliche Menopause überstanden, wobei der Einfluss von HSDD auf die Gesundheit der Frauen und auf ihr allgemeines Wohlbefinden erforscht wurde. Die in die Studie einbezogenen Frauen, im Alter zwischen 30 und 70 Jahren, befanden sich auch alle in einer mindestens 3 Monate andauernden und laufenden Beziehung. Bei 6,6 % der Frauen, die eine natürliche Menopause überstanden, konnte auf HSDD geschlossen werden, und bei jenen, die eine künstlich hervorgerufene Menopause überstanden, zählte man sogar 12,5 % aller Fälle. Diese Frauen waren mit ihrem Leben weniger zufrieden, fühlten sich schlechter in ihren Beziehungen und waren oft depressiv. Sie waren bis zu zweimal empfänglicher für Rückenschmerzen, Müdigkeit und Gedächtnisverlust. Auf einer Scala, mit der die Lebensqualität anhand verschiedener Kriterien, wie mentales Wohlbefinden, Vitalität, soziale Funktionen und körperliche Schmerzen, bestimmt wurde, wurden sie im Großen und Ganzen mit einer deutlich niedrigeren Punktzahl bewertet. Darauf bezogen kamen die Forscher zum Schluss, dass die Findungen auf Folgendes hinwiesen: "HSDD stellt ein ernstes und klinisch relevantes Problem dar!"
Das Huhn und das Ei
Wenn wir das Problem umdrehen und es anders beschreiben, kommt Folgendes zu Papier. Frauen, die nach der Menopause an Rückenschmerzen, an Müdigkeit, an Gedächtnisverlust und an Depressionen leiden, haben eine schwächere Libido. Dieser Satz ist genauso relevant und es lassen auch dieselben Daten darauf schließen. Und im Sinne des gesunden, bauernschlauen Menschenverstandes, klingt er auch um einiges einleuchtender. Die Antwort auf die Frage, was es jetzt denn zu behandeln gelte, bleibt dem Interesse der Pharmaindustrie unterworfen. Pflaster, die Ergänzungshormone in den Körper ausschütten, sind für manch eine Frau die einzig sinnvolle Lösung, noch besonders, wenn man ihre Eierstöcke entfernen musste, als sie gerade mal 25 Jahre alt war. Für eine Frau in den hohen 60ern andererseits wäre die Entscheidung, Ergänzungshormone zu sich zu nehmen, ziemlich eigenartig, wenn sich ihr Körper gerade daran gewöhnte, dass sie nicht mehr vorhanden sind. Wenn eine Frau kein sexuelles Verlangen verspürt und sie deshalb depressiv ist, dann sollte eher der Geist gestärkt werden als der Körper. Diesbezüglich wäre es angebrachter Fragen zu klären wie, warum wünscht sie sich geschlechtliche Beziehungen, wie sehen die Umstände aus, was für ein Partner, welche Lösungen gibt es in Bezug auf die Sexualität älterer Paare und Ähnliches. Aber warum sollte man den Menschen auch helfen und zuhören müssen, wenn man ihnen doch etwas teures verkaufen kann?































