Wochenbettdepression
Zwei Drittel der jungen Mütter erkranken an einer Wochenbettdepression. Lesen Sie über die Heilungsmöglichkeiten.
An Wochenbettdepression leiden fast zwei Drittel aller werdenden Mütter. (jlp)
Was ist eine Wochenbettdepression?
Die Wochenbettdepression tritt kurz nach der Geburt auf und ist immer eine sehr schmerzhafte Erfahrung für die junge Mutter. In Expertenkreisen wird sie als postpartale Depression bezeichnet. Fast zwei Drittel aller Gebärenden sind von der Wochenbettdepression betroffen. Üblicherweise ist der Verlauf der Krankheit gut kontrollierbar, zu ersten Symptomen kann es jedoch schon wenige Tage nach der Geburt kommen. Für das Krankheitsbild der Wochenbettdepression sind Ratlosigkeit, Wehmütigkeit und Mutlosigkeit kennzeichnend, die Frau fühlt sich enttäuscht, ist müde und weinerlich ohne plausiblen Grund. Für eine Frau mit Wochenbettdepression besteht manchmal der ganze Alltag nur aus Bedauern, weil sie sich von der Familie, den Freunden und dem eigenen Partner alleine gelassen fühlt. Die häufigsten Ursachen einer Wochenbettdepression sind plötzliche hormonelle Veränderungen, da es nach dem Geburtsstress oft zu einem Abfall der Hormone kommt. Außerdem kann die Wochenbettdepression durch die Angst vor der neuen Verantwortung für ein selbstständiges Lebewesen verursacht werden. Bei etwa 1 von 1000 Müttern wird eine schwerere Form der Wochenbettdepression festgestellt, die sogenannte Wochenbettpsychose. In so einem Fall sind sogar Verirrungen, Halluzinationen und unnormales Verhalten keine Seltenheit. Frauen, die davon betroffen sind, sind vollkommen verstört und können eine Gefahr für sich selbst oder das Neugeborene darstellen. Deshalb ist eine Hospitalisierung unabdinglich, zur vollkommenen Genesung werden Medikamente und eine Betreuung der Frau und des Partners eingesetzt. Mit dem Rückhalt eines liebevollen Partners dauert die Wochenbettdepression normalerweise nicht länger als ein paar Tage. Wenn sie sich jedoch über Monate oder sogar Jahre hinzieht, ist die Ursache nicht hormoneller Natur. In solchen Fällen haben die Frauen Schwierigkeiten, ihre neue Identität als Mutter anzuerkennen und die neuen Gefühle dem Baby gegenüber anzunehmen.
Frauen, die an einer Wochenbettdepression erkranken, fühlen sich von ihrer Familie, den Freunden und dem Lebenspartner im Stich gelassen. (jlp)
Was sind die Ursachen für eine Wochenbettdepression?
Eine eindeutige Ursache für die Erkrankung an einer Wochenbettdepression konnte noch nicht festgestellt werden. Sie kann bei allen Frauen nach der Geburt auftreten und ist wahrscheinlich die Folge hormoneller Veränderung im Körper. Das Risiko, an einer Wochenbettdepression zu erkranken ist jedoch höher bei Frauen, die:
- in der Vergangenheit mentale Probleme hatten,
- sich schon während der Schwangerschaft depressiv gefühlt haben,
- mit Schwierigkeiten in der Beziehung zu kämpfen haben,
- keine Freunde oder Familienangehörige haben,
- mit finanziellen Probleme konfrontiert sind
- gesundheitliche Probleme wie Anämie und Harnentleerungsstörungen haben.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Wochenbettdepression bei einer weiteren Geburt wiederholt.
Die Wochenbettdepression ist ein vorübergehender Zustand. Ohne die richtige Unterstützung seitens der Familie kann sich die Genesung jedoch hinziehen. (jlp)
Wodurch werden die Heilungschancen einer Wochenbettdepression gesteigert?
Wie soll man sich als Angehöriger bei einer Wochenbettdepression verhalten?
Familienmitglieder und Freunde der an Wochenbettdepression erkrankten Mutter können eine wichtige Hilfe sein, wenn sie das Befinden der Patientin beobachten und davon ihrem Arzt berichten. Dafür müssen sie einsehen, dass dieser Zustand nur vorübergehend ist und dass ihr Rückhalt zur Genesung beitragen kann. Vor allem dürfen sie ihre Freundin oder Angehörige während der Wochenbettdepression nicht alleine lassen und müssen sie ständig ermuntern, dass es ihr bald wieder besser geht. Am besten wirkt eine organisierte Begleitung der Betroffenen, bei der sich die Familienmitglieder abwechseln, sodass die Frau nie alleine sein muss. Eine besondere Rolle spielt natürlich ein liebevoller und verständnisvoller Partner.
Wie geht man im Krankenhaus gegen eine Wochenbettdepression vor?
Das Krankenhauspersonal kann bei einer Patientin mit Wochenbettdepression versuchen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und sie mit anderen Müttern auf der Station zusammenzubringen, damit sie sich mit ihnen über die Probleme, die sie alle teilen, austauschen kann. Es ist sehr wichtig, dass der Arzt alle Symptome der Wochenbettdepression erkennt, denn nur dann kann er entscheiden, ob die Patientin Antidepressiva oder Beruhigungsmittel benötigt. Diese dürfen für die Frau nicht zum Suchtrisiko werden. Wenn der Arzt nach der Behandlung mit einem Medikament einen Rückfall feststellt, muss eine andere Behandlungsmethode ohne dieses Medikament gefunden werden. Zum besseren Befinden können auch eine gesündere Ernährung und die zusätzliche Einnahme von Vitaminen beitragen.
Was kann die Betroffene selbst gegen die Wochenbettdepression tun?
Wenn die Frau nach der Geburt an einer Wochenbettdepression erkrankt, ist der erste Schritt zur Besserung das Bewusstsein, dass sie sich bald wieder besser fühlen wird. In solchen Momenten ist es wichtig, dass die Frau eine Bezugsperson hat, mit der sie über ihre Gefühle der Wehmut reden kann. Außerdem braucht sie viel Ruhe und Zeit, um sich zu erholen, sodass sie im Alltag so wenig Stress wie möglich ausgesetzt wird. Fällt ihr Blutzucker, kann sich ihr Zustand verschlimmern, deshalb wird von Diäten oder übermäßigem Essensverzicht abgeraten. Wenn die Wochenbettdepression medikamentös behandelt wird, kann es vorkommen, dass sich nach dem Absetzen der Medikamente die Depression wieder bemerkbar macht. Das ist keinesfalls ein Grund, erneut zu verzweifeln. In einem offenen Gespräch mit dem Arzt, in dem offen über die Probleme geredet werden kann, wird sicher eine neue Lösung gefunden. Wenn die Wochenbettdepression ausgestanden ist, werden durch die neuen und aufregenden Abenteuer mit dem jüngsten Familienmitglied alle Mühen bald vergessen sein.

































