Ist der weibliche Orgasmus ein Evolutionsfehler?

11.03.2011 | J. P.

Der weibliche Orgasmus ist nach Meinung einiger Wissenschaftler nur ein Nebenprodukt im Evolutionsprozess.

 

 

der weibliche Orgasmus

Der weibliche Orgasmus und seine biologische Funktion sorgen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft schon lange für Uneinigkeit. (PhotoXpress)

 

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Der weibliche Orgasmus spielt auch für die Wissenschaft eine untergeordnete Rolle

Mit dem im Jahr 1979 erschienenen Buch „The Evolution of Human Sexuality“ des angesehenen Anthropologen Donald Symons wurde der weibliche Orgasmus auch evolutionstheoretisch in seine Schranken verwiesen. In Mitte der Versuche, die evolutionäre Entwicklung von physiologischen und psychologischen Eigenschaften der menschlichen Sexualität zu beschreiben, wurde nebenbei der weibliche Orgasmus zum Phänomen ohne biologische Berechtigung und Funktion erklärt. Auch für Dr. Elisabeth A. Lloyd, eine Biologieprofessorin an der Universität von Indiana, ist mit dieser Beschreibung der weibliche Orgasmus in seinem Wesen erfasst, wie sie in ihrem neuen Buch „The Case of the Female Orgasm: Bias in the Science of Evolution“ erläutert.

Der weibliche Orgasmus ist eine Abweichung von der Funktionalität des menschlichen Körpers

Symons war der Meinung, dass alle körperlichen und psychologischen Eigenschaften des Menschen, die sich im Evolutionsprozess entwickelt haben, in drei Gruppen aufgeteilt werden können: in Anpassungen, Nebenprodukte und Abweichungen. Während also bestimmte menschliche Körperfunktionen, darunter auch der männliche Höhepunkt, als Anpassungen zur Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz, Komplexität, Präzision, Zuverlässigkeit und Funktionalität von verschiedenen Problemlösungsverfahren beitragen, ist der weibliche Orgasmus, wie auch andere Nebenprodukte oder Abweichungen des Evolutionsprozesses, ohne wirklichen Sinn für die Weiterentwicklung der menschlichen Rasse. Um sich besser vorstellen zu können, wie überflüssig der weibliche Orgasmus angeblich ist, vergleichen Sie ihn mit der unnützen Wärmeabsonderung einer Glühbirne, deren eigentliche Funktion das Spenden von Licht ist (in diesem Vergleich wahrscheinlich der männliche Samenerguss).

Warum hat sich der weibliche Orgasmus überhaupt entwickelt?

Laut Symons bestehen also keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass der weibliche Orgasmus eine Anpassung ist, die das Fortbestehen der menschlichen Spezies fördern würde. Folglich ist er also nur ein zufälliges Nebenprodukt. Genau wie die männlichen Brustwarzen, die sich in den ersten acht Wochen der parallelen Embryoentwicklung als Nebenprodukt der gleichen biologischen Anlagen beider Geschlechter ausbilden, ist auch der weibliche Orgasmus das Nebenprodukt der männlichen Anlage zur Orgasmusfähigkeit, mit der die Ejakulation der Samenflüssigkeit und folglich die Reproduktion ermöglicht werden. Der männliche Fötus entwickelt einen Penis und dem ungeborenen Mädchen bleiben die Nervenendigungen in der Klitoris erhalten, durch die der weibliche Orgasmus möglich wird. Die Theorie von Symons wird seiner Meinung nach durch folgende Tatsachen unterstützt: Der weibliche Orgasmus tritt nicht bei jedem Geschlechtsverkehr auf, manche Frauen sind überhaupt nicht fähig, ihn zu erreichen, und er ist lediglich für die menschliche Spezies charakteristisch.

Für einige Forscher hat auch der weibliche Orgasmus einen Nutzen

Dem Biologieprofessor Dr. John Alcock von der Universität in Arizona zufolge ist der weibliche Orgasmus kein Fehler der Evolution, sondern ein helfender Mechanismus bei der Zeugung der Nachkommenschaft. Der weibliche Orgasmus erleichtert seiner Meinung nach den Transport des Spermas und ermöglicht den Frauen, die Erkennung von starken, gesunden und reproduktionstauglichen Männern. Deshalb kann laut ihm die Tatsache, dass der weibliche Orgasmus nicht die notwendige Folge jedes Geschlechtsaktes ist, nicht als Beweis für seinen Status als reines Nebenprodukt gewertet werden. Außerdem wurde vor Kurzem herausgefunden, dass der weibliche Orgasmus auch in der Tierwelt sein Pendant hat, und zwar im sexuellen Höhepunkt des Weibchens der Affengattung Macaques. Vielleicht findet der weibliche Orgasmus seine eigentliche Rechtfertigung im körperlichen und geistigen Genuss, den er den Frauen bereitet und weswegen sie eher an sexueller Interaktion interessiert sind. Und mehr Sex bedeutet bekanntlich mehr Kinder!

 

Mehr über den Weiblichen Orgasmus finden Sie in unserer Enzyklopädie der Sexualität!

 

 



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