Couvade-Syndrom

16.08.2010 | T. P.

Frauen werfen Männern vor, dass sie nie verstehen können, was für Schmerzen sie bei der Geburt erfahren. Das Couvade-Syndrom zeugt vom Gegenteil.

 

 

Couvade-Syndrom

Das Couvade-Syndrom bezeichnet Schwangerschaftsanzeichen, die sich beim Mann zeigen. (PhotoXpress)

Was ist das Couvade-Syndrom?

Die alten Rituale und ihre starke Symbolik gingen in der heutigen Gesellschaft verloren. Männer erkämpften sich den Vaterschaftsurlaub, den größten Schmerz bei der Entbindung verspüren sie, wenn ihre Partnerin bei einer besonders starken Wehe ihre Fingernägel in ihren Arm bohrt. Jedoch praktizieren noch heute viele Völker ein Ritual, das unter der Bezeichnung Couvade-Syndrom zusammengefasst wird und aus dem französischen Wort für Brüten stammt. Es gibt viele Variationen des Couvade-Syndroms, eine moderne Bezeichnung  für das Couvade-Syndrom ist u. a. die Sympathieschwangerschaft, obwohl diese Bezeichnung nicht ganz zutreffend ist.

Die Indianer aus Mexiko, aus dem Stamm der Huichol, trieben die Rolle des Mannes bei der Geburt auf die Spitze. Eine Frau lag bei der Entbindung auf einer Matte, hinter ihr saß/lag auf einer Art Podest ihr Mann. Um seine Hoden hatte er eine Schnur gewickelt, die seine gebärende Frau in der Hand hielt. Bei jeder Wehe zog sie an dieser Schnur.

Wie entwickelte sich das Couvade-Syndrom?

Es gibt mehrere Erklärungen für das Couvade-Symptom. Weil die Rolle des Vaters nicht sehr groß war, versuchte er mit einer symbolischen Geburt die Bindung zum Kind herzustellen. In einer matriarchalen Gesellschaft war die Vaterschaft  unwichtig, der vermeintliche Vater sicherte sich damit nur den Status des Trägers des Familienbaums und der Erbfolge. Eine andere Erklärung für das Couvade-Syndrom ist magisch. Der Mann versucht mit der Nachahmung der Geburt die bösen Geister auf sich zu lenken und so die Mutter und das Kind zu beschützen. Er versucht auch, mit der Einhaltung aller Rituale die Geister gnädig für das Kind zu stimmen. Das Couvade-Syndrom ist noch heute lebendig, und zwar ganz in unserer Nähe, z. B. in Bosnien und Herzegowina, in Montenegro oder etwas weiter weg, im Baskenland. Das Couvade-Syndrom ist aber schon seit der Antike bekannt und war unter den Stämmen von Nord- und Südamerika, Afrika, China und Indien weit verbreitet.

Das Couvade-Syndrom wird nicht mehr als solches erkannt

Das Couvade-Syndrom ist weltweit stark verbreitet. Es äußert sich hauptsächlich durch die Imitation der weiblichen Schwangerschaft, der Mann liegt im Bett, bei einigen wächst der Bauch an, einige plagt Übelkeit usw. Interessanterweise kommt das Couvade-Syndrom noch heute vor, obwohl es nicht mehr als solches erkannt wird. Viele reden sich mit schwachen Nerven oder verminderter körperlicher Aktivität aus, obwohl man ihre Gewichtszunahme, gelegentliche Übelkeit und Rückenschmerzen durchaus als das Couvade-Syndrom deuten könnte.

 

 


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