Die Geschichte der Orgien

24.06.2010 | S. K.

Wer? Wo? Wann? Mit wem? Was ist überhaupt eine Orgie? Lesen Sie, wie Orgien zu dem wurden, was sie heute sind.

 

 

Geschichte der Orgien.
Die Geschichte der Orgien fing - wie sollte es auch anders sein - im alten Griechenland an. (PhotoXpress)

 

Was ist eigentlich eine Orgie?

Viele verurteilen Orgien, obwohl keiner eigentlich so ganz genau weiß, was dieser Ausdruck und die Handlung bedeuten. Fangen wir mit der grammatischen Bedeutung des Wortes Orgie, welches "heimliche Verehrung" bedeutet, an.

Geschichte der Orgien

Es begann im antiken Griechenland mit  der mythischen Nachtgebeten und der Verehrung von Dionysos oder Orpheus. Zu Anfang war Sex kein Teil der Orgien, das Anbeten von Dionysos umfasste Tanz, Musik, das Trinken und Essen von Tieropfern. Der sexuelle Kontakt war lediglich die logische Folge.

Wie so manches andere haben die Römer auch die Orgien von den Griechen übernommen. Vor allem waren das Verehrungen von Saturnus (Gott des Todes) und Bacchus (Weingott). Der größte Kenner der Orgien damals war der Kaiser Tiberius. Auf der Insel Capri hat er mehrere Wohnhäuser gebaut, in der sich eine Menschenmenge beiden Geschlechts den gemeinsamen sexuellen Genüssen hingegeben hat, um den kalten und grausamen Kaiser zu entflammen.

Der römische Kaiser Konstantin I., auch bekannt als Konstantin der Große, hat im Jahr 313 das sog. Toleranzedikt von Mailand veröffentlicht, womit das Christentum die Tradition der hemmungslosen Partys unterbrochen hat. Die römische Orgie wurde zum Synonym für alles, was verboten, missbilligt, schmutzig und allgemein schlecht war.

Das Wort Orgie bekam seinen Platz im englischen Wörterbuch im Jahr 1589. Es gib Beweise, dass sich damals die heute gefühlskalten Engländer sehr gerne in Gruppen amüsierten. Der Tanz bei Neumond auf den breiten Weizenfelder stellte die rituelle Verehrung des Phallus dar. Philip Stubbes, Puritaner im 16. Jahrhundert, hat das Geschehen der britischen Penisanbeter folgendermaßen beschrieben: "Was für ein Küssen, Schmatzen, Reiben und Austausch von Körpern, Flüssigkeiten und allem anderen!"

Der bekannte französische Aristokrat Marquis de Sade hat das schöne Schloss Château La Coste geerbt, in dem er seine bekanntesten Werke, die u. a. sadistische Handlungen beinhalten. De Sade ist neben seinen Werken auch danach bekannt, dass er zusammen mit seiner Frau die Vorstellungen junger Kellner und wunderschöner Zimmermädchen, die nach seinem Befehl gewalttätigen Gruppensex hatten, verehrte. Mehr über diese Vorstellungen hat er in seinem Buch "Die 120 Tage von Sodom" beschrieben.

Orgien in der Neuzeit

Orgien gerieten danach für einige Jahrhunderte in den Hintergrund, zum Vorschein traten sie erneut in den verrückten Sechzigern und Siebzigern des 20. Jahrhunderts.

Die Hippies haben sich in den Siebzigern für die freie Liebe oder "free love" und die sexuelle Demokratie eingesetzt und versucht, sexuelle Tabus zu brechen. Am meisten traute sich die Redaktion der Zeitung Suck: bei den Redaktionsbesprechungen haben die Macher dieser Zeitung Orgien gefeiert.

Im Jahr 1972 ist das Buch 'The Joy of Sex' erschienen. Das Kapitel über die Orgien fängt mit einer Zeichnung an, auf der ein bärtiger Mann und durchschnittliche, vierzigjährige Hausfrauen Gruppensex haben. Die Leser dieses Buches waren schon beim Anblick dieser Zeichnung der festen Überzeugung, dass sie so etwas nicht im Entferntesten machen würden.

Nach 2000 Jahren erscheint die Idee der Orgien auf einmal nicht mehr so angesagt zu sein.

 

Übersetzungen

SLO | HRV | ENG | DEU | RUS

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