Ficken, Sex und Liebemachen. Wie, wann und mit wem?

9.08.2011 | Alexander F.

Das Ficken ist kein Sex, der Sex entwickelt sich jedoch zum Liebemachen? Braucht man zum Liebemachen komplexe Gefühle und zum Ficken nicht?

 

 

Ficken und Sex

Ficken und Sex können sehr unterschiedlich sein. Liebe machen ist jedoch ein Kapitel für sich. (PhotoXpress)

 

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Ich setze voraus, dass Sie wissen, worauf ich mit diesem Titel abziele. Der Sex mit einem Unbekannten, der eheliche Sex oder der Sex mit einer Schwangeren. Der wesentliche Unterschied liegt in der Beziehung zum Mitmenschen, den wir als Sexualobjekt betrachten bzw. als viel mehr als nur ein Lustobjekt. Alles hängt von unserem Einsatz ab und davon, was wir uns nach dem Sex noch versprechen. Falls überhaupt etwas. Manchmal genügt nur der Sex, gelegentlich bleiben die Gefühlskanäle jedoch nur mühsam geschlossen und schon bald wird ein Typ der sexuellen Vereinigung durch einen anderen ersetzt. Wie denn das, fragen Sie sich. Es handelt sich ums Einordnen des Sexes in den sog. psychometrischen Ansatz zur Auffassung der Liebe. Dieser Ansatz beruht auf der Befragung einer größeren Anzahl von Paaren bzw. Personen, die mithilfe verschiedener Skalen und Fragebögen die wesentlichen Eigenschaften ihrer Liebe zu verschiedenen Liebesobjekten (Eltern, Partner, Bekannten, Kindern) beschreiben. Das Ziel der Forscher war es, zwei grundlegende Gruppen von Fragen zu beantworten. Die erste Gruppe von Fragen bezog sich auf die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten der Liebe. Damit wollten sie eine Antwort auf die Frage finden, ob alle Liebesarten einen gemeinsamen Nenner haben oder sie völlig unterschiedlich sind.

Die zweite Gruppe der Fragen bezog sich auf die Liebe als Prozess, wobei dieselben Menschen beobachtet wurden, jedoch in einem größeren Zeitrahmen. Psychometrisch orientierte Autoren befassen sich im Unterschied zu den psychoanalytischen und humanistischen Autoren nicht mit den Extremgruppen (Fromm hatte sich ausschließlich mit Neurotikern befasst und Maslow mit extrem „gesunden“ Menschen), sondern versuchen zu erfassen, wie ein Durchschnittsmensch in einer bestimmten Kultur die Liebe erlebt. Dabei gehen sie nicht von irgendwelchen im Voraus bekannten Voraussetzungen aus, wie die Liebe sein soll, sondern überlassen diese Entscheidung den Testpersonen bzw. den Forschungsergebnissen.

Ficken ist weniger als Sex, der wiederum weniger als Liebemachen ist

Sternberg und Gajak wollten herausfinden, ob die verschiedenen Arten der Liebe etwas Gemeinsames haben. Sie fanden heraus, dass die verschiedenen Liebesarten, die wir erleben, im Grunde gleich sind. Unterschiedlich sind nur die Begleitfaktoren (Sexualwünsche, Verantwortungsgefühl, Wunsch nach Zuneigung, Art und Ausgeprägtheit der Kommunikation). Die Psychometriker entdeckten individuelle Unterschiede und nannten sie Liebesstile. Geben Sie Acht, die Wahrscheinlichkeit ist nämlich groß, dass auch Sie selbst vom Ficken zum Sex übergegangen sind, dazwischen jedoch weder das Eine noch das Andere getan haben, sondern Liebe machten. Liebe in dem Sinne, dass Sie neben Ihrem Körper auch all die schönen Gedanken und Assoziationen gebraucht haben, die Sie mit demjenigen, mit dem Sie bei der Sache waren, verbinden. Mit den Gedanken waren Sie nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Zukunft.

Komplexe Gefühle sind zum Ficken überflüssig, zum Liebemachen jedoch unverzichtbar

Bei der „Erotik“ z. B. steht eine starke körperliche Anziehungskraft im Vordergrund, es handelt sich um eine intensive Liebe, die von starker Hingabe zum Partner geprägt wird. Andererseits kennzeichnet das „Spiel“ einen Stil, bei dem die Liebe für die Partner ein Spiel darstellt. Das heißt, sie lassen keine tiefen Gefühle zu und wollen sie auch beim Partner nicht wecken, typisch ist auch ein häufiger Partnerwechsel. Bei der „Freundschaft“ sind die Grenzen zwischen Liebe und Freundschaft verschwommen, es handelt sich um keine feurige Liebe, sie ist jedoch stark, sachlich und recht dauerhaft. Wie es scheint, stimmt das Liebemachen, wie wir es in unserem Fall auffassen, mit der „Pragmatik“ überein. Dem Stil, bei dem eine sachliche Ansicht der Liebe typisch ist und der auf die erwünschten Eigenschaften des Partners, denen auch der ganze Prozess der Suche unterliegt, gerichtet ist. Bei der „Obsession“ handelt es sich um einen Stil, bei dem verschiedene Liebessymptome einbezogen sind, wie zum Beispiel die Schlaflosigkeit, der Konzentrationsmangel, die Eifersucht, das Leiden. All diese Symptome beruhen jedoch auf Selbstzweifeln und der Unsicherheit gegenüber dem Partner. Dieser Liebesstil ist besonders typisch für die Adoleszenz (Pubertät).

Ist es möglich, die Obsession und das Liebemachen zu vereinigen oder verlaufen sie unbedingt parallel zum Ficken und Sex? Im Hinblick darauf, dass die Liebe paralysiert, insbesondere in der Adoleszenz, bin ich der Meinung, dass in dem Fall das Ficken als eine Handlung im Vordergrund steht und der Sex erst mit der Zeit kommt. Es gibt Unmengen von Faktoren, wie man beim Sex funktioniert. Aber in dieser Flut der Emotionen findet sich immer die Möglichkeit zum Nachdenken. Danach werden Sie entweder (auf)lachen oder sich Gedanken über Ihr interessantes Treiben machen.

 

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