Haben Männer tatsächlich mehr Sexualpartner?
Es heißt, dass bei Männern die Anzahl der Sexualpartner zwei- bis viermal höher liegen soll als bei den Frauen. Sieht das reale Bild wirklich so aus?

"Im Durchschnitt betrug die Anzahl der angegebenen Sexualpartner bei Frauen 8,6, während die Gleichung bei den Männern 31,9 ergab." (PhotoXpress)
Eine höhere Anzahl der Sexualpartner ist vielleicht die Folge vom Sexismus, der den Männern zugutekommt, da regelmäßiger Partnerwechsel irgendwie eine Bestätigung für sie ist. Aber wer garantiert uns, dass die Männer bei der Beantwortung dieser Frage auch immer die Wahrheit sagen? Ungeachtet der größer werdenden sexuellen Freiheit kann es vorkommen, dass sie einige Frauen auch verschweigen.
Der Psychologe Norman R., der sich für die Gründe interessiert, wieso man über die Anzahl der Sexualpartner Märchen erfindet, sagt, dass die These über die wichtig tuenden Hengste und die ewigen Jungfrauen auf keiner fruchtbaren Basis beruhen. Der Haken ist überhaupt nicht der, dass die Einen oder Anderen absichtlich eine höhere oder niedrigere Anzahl von Sexualpartnern nennen, sondern für ihn ist die Metode ausschlaggebend, nach der sich Männer und Frauen überhaupt entscheiden, "wen und wann" sie jemanden als eine Person bezeichnen, mit der sie sich das Bett geteilt haben.
Wie bestimmen Frauen die Anzahl der Sexualpartner?
"Frauen greifen auf das Prinzip des Aufzählens oder das Prinzip der Liste zurück", erklärt Brown von der University of Michigan bzw. vom dortigen Institut für soziologische Fragen. Sie werden mit "Ich erinnere mich nur an …" oder "Soweit ich mich erinnern kann ...", und wenn man sie mit der Detailfrage überrascht "Wie sie das genau wissen ...", werden sie mit einem konkreten Aufzählen aller Männer in ihrer Vergangenheit antworten. Wenn sich die Logik des Aufzählens nach diesem Muster abwickelt, vom Unklarem zum Konkretem nämlich, könnte das bedeuten, dass die Frau alle vergangenen Körperkontakte, denen sie im gegebenen Augenblick gegenüber dem Mann einen wichtigen Status zuschrieb, herabwürdigt.
Und wie sind Männer in Bezug auf die Anzahl der Sexualpartner?
Aussagen über die Zahl der Sexualpartner machen sie mehr oder weniger nach dem Prinzip des »Grob-Schätzens«, die von der Überschätzung der eigentlichen Anzahl von Frauen zeugt, mit denen sie ihren sexuellen Lüsten frönten.
Neben Brown setzen sich mit vereinten forscherischen Kräften auch Robert Sinclair von der Laurentian University und Sean Moore vom Augustan College mit dem Phänomen auseinander, während sich dem ewigen Thema der Wahrheitsliebe beider Geschlechter mehrere Studien widmeten. Die umfangreichste und der heutigen Zeit am nächsten ist die Internetstudie aus dem Jahr 2005. Sie umfasste 2.065 heterosexuelle Personen mit sexuellen Erfahrungen und einem Durchschnittsalter von ungefähr 40 Jahren. Im Durchschnitt betrug die Anzahl der angegebenen Sexualpartner bei Frauen 8,6, während die Gleichung bei den Männern 31,9 ergab. Vielleicht erscheinen Ihnen die Ergebnisse nicht ungewöhnlich, aber sowohl der Autor des Artikels als auch die Forscher waren von der übertriebenen Anzahl seitens der Männer verblüfft.
Um genauere Angaben darüber zu bekommen, inwieweit die Ergebnisse auf die unterschiedliche Methode der Wiedergabe der Antworten über die Anzahl der Sexualpartner zurückzuführen sind, und inwieweit die Zahl einfach das Ergebnis von Lügen ist, wurden sie zunächst nur nach der Anzahl der Sexualpartner gefragt und danach mussten sie einschätzen, wie viel Respekt ihnen der/die Partner/in entgegenbrachte. Später wurden sie dann noch über die Richtigkeit ihrer Antworten, die sie in der Studie angegeben haben, gefragt.
Viele biegen die Anzahl der Sexualpartner zurecht
Es hat sich genau das bestätigt, wovon das Forschungsteam ausging: 5 % der Männer und 4 % der Frauen haben durchblicken lassen, dass sie bei der Beantwortung der Fragen nicht ehrlich waren, weitere 16 % der Männer und 11 % der Frauen haben ausgesagt, dass sie eine Antwort angegeben haben, für die sie wussten, dass sie nicht der Wirklichkeit entspricht. Bei der letzten Frage hinsichtlich der Richtigkeit im Allgemeinem gaben 21 % der Männer und 15 % der Frauen zu, sich die Anzahl der Sexualpartner einfach ausgedacht zu haben. Schlussfolgerung: "Sie haben uns ihre Antwort anvertraut und zwei Minuten danach zugegeben, dass sie gelogen gaben", betont Brown.
Er bezeichnete sie als "Selbstkläger"
Unter anderem war für sie charakteristisch, dass sie sehr gern nach dem Prinzip des Grob-Schätzens die Anzahl der Sexualpartner angegeben haben. Nachdem diese Personen aus der Studie ausgeschlossen wurden, verringerten sich die Widersprüche stark. Dass die Ergebnisse wirklich beunruhigend waren, davon zeugt die weiterführende Untersuchung des Forschungsgegenstandes. Es folgt eine telefonische Umfrage, mit der die Ergebnisse entweder zusätzlich bekräftigt oder widerlegt werden. Wie auch immer, erlauben Sie mir abschließend eine charmante Bemerkung, mit der Brown Menschen beschreibt, die leidenschaftlich übertreiben. Sie verwinkeln sich so stark in die eigenen Unstimmigkeiten, weil sie "Lügner sind, die über das eigene Lügen lügen". Eine äußerst charmante, spritzige und schelmische Charakterisierung, würde ich sagen.























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