Homosexualität in den USA

19.10.2009 | J. P.

Erfahren Sie alles über den Kampf der Homosexuellen um Gleichberechtigung in den USA.

 

 

Homosexuellen werden in den USA immer mehr Rechte eingeräumt. (jlp)

Homosexuellen werden in den USA immer mehr Rechte eingeräumt. (jlp)

 

Die Stonewall-Unruhen im Jahr 1969 waren der Wendepunkt im Kampf um Gleichberechtigung der Homosexuellen in den USA. Als Polizisten eine Razzia im Stonewall Inn durchführten, einer Bar für die homosexuelle Gemeinschaft, haben sich viele Homosexuelle der Verhaftung widersetzt, wodurch es zu tagelangen Straßenschlachten kam. Das war der Beginn der Lesben- und Schwulenbewegung.

Die Lesben- und Schwulenbewegung in den USA

Nach den Stonewall-Unruhen forderten die homosexuellen Aktivisten volle gesellschaftliche Anerkennung und Integration. Es fanden zahlreiche Demonstrationen, Flugblätteraktionen und Boykotts statt. Unmittelbar nach den Unruhen wurden in den USA viele Organisationen gegründet, die sich für die Rechte der Homosexuellen einsetzten. Eine solche Organisation war die radikale Organisation Gay Liberation Font (GLF) in New York. Ihr Ziel war ein umfassender gesellschaftlicher Umbau. Im Jahr 1969 entstand die Gay Activist’s Alliance (GAA), die zwar keine Gewalt befürwortete, jedoch alles dafür getan hat, um Medienaufmerksamkeit zu gewinnen. Auch Cross-Dresser und Transsexuelle gründeten eine eigene Organisation, die Street Transvestite Action Revolutionaries (STAR). Eine weitere Organisation war der Lambda Legal Defense and Education Fund (Lambda Legal). Das war eine Non-Profit-Organisation, die juristische Arbeit leistete, von der Homosexuelle profitierten. Im Jahr 1973 wurde die National Gay Task Force gegründet, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Gleichberechtigung der Homosexuellen mit den Mitteln des parlamentarischen Systems durchzusetzen. Nach den Stonewall-Unruhen wurden auch viele Schwulen-Cafés und Community Centers eingerichtet, in denen Tanz- und Kulturveranstaltungen für Homosexuelle angeboten wurden.

Homosexualität und AIDS in den USA

Als im Jahr 1980 die AIDS-Epidemie ausbrach, wurde die homosexuelle Gemeinschaft in den USA auf eine harte Probe gestellt. Da es vor allem zu einem vermehrten Auftreten von AIDS unter homosexuellen Männern kam, galt AIDS lange als eine Homosexuellenkrankheit. Deswegen wurden Homosexuelle diskriminiert, sowohl hinsichtlich ihrer Behandlung als auch ihrer Krankenversicherung. Von den Gesundheitsbehörden wurde anfangs auch keine Aufklärungs- und Forschungsarbeit geleistet. Da die homosexuellen Aktivisten eine solche Diskriminierung nicht hinnehmen konnten und wollten, kam es zu vielen Protesten. In den folgenden Jahren entstanden auch viele Hilfs- und Forschungsorganisationen wie Gay Men’s Health Crisis (GMHC) und AIDS Medical Foundation.

 

In den USA können auch Homosexuelle den Militärdienst leisten. (jlp)

In den USA können auch Homosexuelle den Militärdienst leisten. (jlp)

Homosexualität und Militärdienst in den USA

Die homosexuellen Aktivisten haben auch für die Gleichberechtigung von Homosexuellen in der Armee gekämpft. Bis zum Jahr 1993 mussten die Kandidaten ein Formular ausfüllen, in dem es Fragen über ihre sexuelle Orientierung gab. Durch die Bemühungen der homosexuellen Aktivisten wurde diese Politik geändert und solche persönliche Fragen wurden gestrichen. Jetzt lautet die Devise: „Keine Frage, keine Antwort“. Die sexuelle Orientierung wird heute als etwas Persönliches aufgefasst. Deswegen darf die Homosexualität kein Grund dafür sein, dass jemand keinen Militärdienst leisten darf. Wer jedoch homosexuellen Geschlechtsverkehr praktiziert, wird vom Militärdienst befreit. Deswegen sind viele Menschen der Meinung, dass diese Politik auch weiterhin diskriminierend bleibt.

Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft und Ehe in den USA

In den späten 80er Jahren begangen sich homosexuelle Aktivisten für die rechtlich anerkannte Partnerschaft, die eingetragene Lebenspartnerschaft und die gleichgeschlechtliche Ehe einzusetzen. In vielen Bundesstaaten der USA haben homosexuelle Paare die Möglichkeit, eine rechtlich anerkannte Partnerschaft oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. So werden ihnen ähnliche Rechte anerkannt, wie verheirateten Paaren. Gleichgeschlechtliche Ehen dürfen bisher jedoch nur im Bundesstaat Massachusetts geschlossen werden.

 

Jim McGreevey war der erste Gouverneur, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hat. (jlp)

Jim McGreevey war der erste Gouverneur, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hat. (jlp)

Homosexuelle Politiker in den USA

Da die homosexuelle Gemeinschaft sehr aufgeschlossen ist, haben sich viele Menschen, die im Fokus des öffentlichen Interesses stehen, zu ihrem Lebensstil bekannt. Sie bestehen auch darauf, gleich behandelt zu werden wie alle anderen und dass man ihnen den gebührenden Respekt entgegenbringt. Die ersten Outings kamen aus den Reihen der Schauspieler und Stilikonen, gleich danach haben sich ihnen auch Kongressabgeordnete angeschlossen. In den USA können nämlich Homosexuelle für alle politischen Posten kandidieren.

Mit kleinen Schritten zum großen Ziel

In der Vergangenheit wurden in den amerikanischen Bundesstaaten viele Sodomiegesetze verabschiedet, die gegen jegliche Menschenrechte verstoßen haben. Im 17. und 18. Jahrhundert erwartete einen Homosexuellen die Todesstrafe. Im 19. Jahrhundert wurde Homosexuellen das Wahlrecht und das Recht, als Geschworene zu dienen, aberkannt, Homosexuelle durften auch nicht als Zeugen vor Gericht aussagen. Der oberste Gerichtshof in Connecticut hat sogar entschieden, dass man einen Menschen töten darf, um homosexuelle Handlungen zu verhindern. Im 20. Jahrhundert wendete sich das Blatt und Homosexuelle bekamen immer mehr Rechte, jedoch nach dem Prinzip zwei Schritte nach vorne und einen zurück. Wenn jemand zum Beispiel zum ersten Mal bei einer homosexuellen Handlung erwischt wurde, bekam er keine Gefängnisstrafe mehr, sondern musste in eine Besserungsanstalt, dafür wurde jedoch oraler Sex illegal gemacht. Mitte der 80er Jahre waren in der Hälfte der Bundesstaaten sexuelle Handlungen immer noch strafbar. Erst im Juni 2003 verloren die Sodomiegesetze aller Bundesstaaten ihre Rechtswirksamkeit.

 



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