Ist Inzest wirklich immer ein Verbrechen?
Inzest wird normalerweise als Pädophilie und ein unentschuldbares Verbrechen verstanden. Aber ist es wirklich immer so? Verpassen Sie nicht die Antwort!

Inzest ist bestimmt eines der am tiefsten verwurzelten Tabus, für das es keinen Platz für Diskussionen gibt. (jlp)
Inzest ist eines der größten Tabus
Inzest ist bestimmt eines der am tiefsten verwurzelten Tabus, für das es keinen Platz für Diskussionen gibt, obwohl es zahlreiche Argumente hier- und dafür gibt. Nicht nur, dass Inzest in unserer Gesellschaft ein Tabu und etwas Unmoralisches ist, Inzest ist auch gesetzlich verboten.
In der westlichen Gesellschaft haben wir uns irgendwie darauf geeinigt, dass eine normale sexuelle Beziehung zwischen zwei Menschen, die weniger als Cousin und Cousine sind, zulässig ist. Alles, was verwandtschaftlich gesehen weniger als das ist, soll akzeptable sein. Beim Wort Inzest fallen einem meistens folgende Argumente ein:

Nicht nur, dass Inzest in unserer Gesellschaft ein Tabu und etwas Unmoralisches ist, Inzest ist auch gesetzlich verboten. (jlp)
Inzest ist eine pädophile Handlung
In den meisten Fällen handelt es sich bei Inzest um ein Machtverhältnis des Stärkeren (meistens eines Mannes) über den Schwächeren (meistens ein Kind weiblichen Geschlechts). Aber nicht alle Inzest-Beziehungen sind so. Einige wählen Inzest aus Liebe. In Deutschland nennt man einen solchen Fall „Verbrechen ohne Opfer“. Bruder und Schwester haben eine Familie gegründet, dazwischen auch eine Freiheitsstrafe verbüßt, aber trotz alledem insistieren sie darauf, dass ihre Liebe echt und wunderschön ist und nicht sie daran schuld sind, dass sie sich verliebt haben. Somit kann das Argument, dass Inzest Pädophilie ist, nicht immer aufrecht erhalten bleiben.

Nicht nur, dass Inzest in unserer Gesellschaft ein Tabu und etwas Unmoralisches ist, Inzest ist auch gesetzlich verboten. (jlp)
Früher war Inzest normal und wurde sogar gefördert
Es gibt sehr viele geschichtliche Annahmen, dass Inzest in der Geschichte oft sogar gefördert wurde. Gründe dafür soll es mehrere geben. Einige Königsfamilien (auch Pharaonenfamilien) haben Hochzeiten innerhalb der Familie gefördert, um die Einheit des Thrones und die Blaublütigkeit – das Blut sollte nicht befleckt werden – zu erhalten. Einige Stämme haben den Inzest wegen der Homogenität der Gemeinschaft gefördert. Aber das sind nur Annahmen. Anthropologen, Historiker und Soziologen beschäftigen sich noch immer mit dieser Frage und Theorien dazu gibt es so einige.
Das Inzestverbot ist keine biologische, sondern eine psychologische Kategorie
Wären sich Menschen ihrer Blutsverwandtschaften nicht bewusst, könnten sie sich untereinander auch verlieben (nicht nur Sex haben). Es sind Fälle bekannt, wo sich Vater und Tochter in einander verliebt haben, die zuvor jedoch eine längere Zeit nicht zusammen gelebt und somit keine libidinösen Beziehungen geknüpft hatten, wie das sonst der Fall ist, wenn Vater und Tochter ihre ganze Kindheit in der Familie zusammen leben. Ähnlich ist es zwischen Brüdern und Schwestern. Sophokles teilt uns mit seiner Tragödie König Ödipus genau das mit – die Unwissenheit über die Blutsverwandtschaft bzw. das getrennte Leben (in der Kindheit des jüngeren Partners eines inzestuösen Paares) ist die Voraussetzung, dass Inzest zustande kommt.

Das Verbot und das Tabu tragen dazu bei, dass Inzest-Beziehungen in der Pornografie ein sehr gefragtes Material sind. (jlp)
Kinder von Menschen, die blutsverwandt sind, sollen häufiger Geburtsfehler aufweisen
Interessanterweise verwerfen Anthropologen das Wesen dieser Theorie, da Kinder, die durch Inzest gezeugt werden, keine Geburtsfehler wegen des Inzestes an sich bzw. der Blutvermischung aufweisen. Die Ursache für das häufige Auftreten von Geburtsfehlern bei diesen Kindern sind die ähnlichen genetischen Kodes von Verwandten, was zur Folge hat, dass sie auch ähnliche genetische Fehler haben, die eher auf das Kind übertragen werden, als wenn die genetische Störung nur bei einem Elternteil vorhanden wäre. Im Gegensatz zu dieser Theorie steht die Überzeugung, dass die Fortpflanzung unter Verwandten eventuell die genetischen Fehler einer Population senken könnte. Wenn also Kinder mit Geburtsfehlern sterben, bevor sie sich fortpflanzen können, dann würde im Extremfall die Fortpflanzung unter Verwandten die schlechten Gene in der gesamten Population senken.
Inzest törnt auch an
Das Verbot und das Tabu tragen sicherlich dazu bei, dass man mit einem Blick auf das pornographische Material schnell zum Schluss kommt, dass Inzest-Beziehungen sicherlich ein sehr gefragtes Material sind.

Die Unwissenheit über die Blutsverwandtschaft bzw. das getrennte Leben ist die Voraussetzung, dass Inzest zustande kommt. (jlp)
Hinter keiner von den aufgezählten Annahmen, die am häufigsten in Verbindung mit Inzest vorkommen, steht ein konkreter Beweis, der mit Sicherheit Inzest als etwas allgemein Schlechtes und absolut Inakzeptables erhärten würde. Das Inzestverbot ist eine von der Gesellschaft aufgestellte Norm. Wir haben Normen aufgestellt, um in einer bestimmten Zeit als Gesellschaft funktionieren zu können. Jedoch verändern und entwickeln sich Gesellschaften. Somit bleibt immer die Frage offen, wohin es uns noch führen wird.
Dieser Beitrag ist nicht als Befürwortung von Inzest gedacht, sondern nur als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen. Nicht nur über Inzest, sondern über alle Tabus, die wir in uns tragen, sie aber nicht ansprechen.























Kommentare:
Ihr Kommetar