Kann Keuschheit Sexualprobleme verursachen?
Sehen wir uns an, ob Keuschheit der Sexualität schaden kann, wenn wir uns wieder für sie entscheiden.
Keuschheit kann durch eine bestimmte physiologische oder psychische Regung verursacht werden, die später zu Schwierigkeiten in der Sexualität führt. (PhotoXpress)
Keuschheit
Keuschheit bedeutet, dass jemand aus einem Grund auf Sex verzichtet. Die Gründe sind meist religiös, einige wollen warten, bis sie reif genug sind, andere verbinden den Sex mit wahrer Liebe und Ähnlichem. Diejenigen, die keinen Sex haben, weil sie niemanden dafür finden können, es jedoch möchten, gehören hier nicht dazu. Es handelt sich um eine bewusste Entscheidung, mit dem Sex bis zu einem gewissen Punkt auf der Zeitgeraden zu warten oder wegen der eigenen Überzeugung völlig darauf zu verzichten. Jeder Mensch entscheidet schließlich selbst darüber, was er machen möchte und was nicht. Viele Forscher wollen aus diesen und jenen Gründen herausfinden, ob die Keuschheit potenziell schädlich für die persönliche Entwicklung oder sogar gesundheitsschädlich sein kann. Andererseits versuchen andere Forscher mit den gleichen Methoden gerade das Gegenteil zu beweisen, nämlich dass ein zu frühes Sexualleben schädlich sein und gesundheitliche und physische Folgen nach sich ziehen kann. Wie sehen solche Forschungen aus? Für gewöhnlich wählen die Forscher unter bestimmten, im Voraus festgelegten Bedingungen, eine bestimmte Anzahl von Menschen aus, so dass die Auswahl so repräsentativ wie möglich ist. Dann verfolgen sie deren Entwicklung über einen bestimmten Zeitraum und vergleichen sie miteinander.
Keuschheit beeinflusst Sexualität?
Was finden sie für gewöhnlich heraus? Sie stellen fest, dass sich die Menschen verändern. Einige haben bis zu ihrem 20. Lebensjahr keinen Sex und leiden dann unter einer erektilen Dysfunktion. Andere sind schon mit 14 Jahren sexuell aktiv und sind dann mit 20 drogenabhängig. Das sind die Ergebnisse und dem ist nicht zu widersprechen. Das ist aber nichts Besonderes, wir alle wissen bereits, dass einige mehr Probleme haben und andere weniger. Weil solche Arbeiten demnach keinen Sinn haben, fangen die Forscher an, die Ergebnisse zu interpretieren. Natürlich im Sinne der anfänglichen Hypothese. Zum Beispiel:
"Das Ziel unserer Studie ist herauszufinden, ob Keuschheit das spätere Sexualleben der Menschen beeinflusst. Die Zielgruppe sind Schüler der Sekundarstufe."
"Wir fanden heraus, dass der Prozentsatz derjenigen, die später Schwierigkeiten in der Sexualität haben, bei den Schülern ist, die keinen Geschlechtsverkehr hatten. Damit haben wir bewiesen, dass die Keuschheit einen Einfluss auf die späteren Schwierigkeiten in der Sexualität hat!"
Wenn nicht die Forscher diesen Schluss ziehen, tun das bestimmt die Journalisten. Kein echter Wissenschaftler würde eine solche Schlussfolgerung wagen. Wo steckt der Fehler? Zum Fehler kommt es wegen der falschen Schlussfolgerung. Zuerst setzen sie voraus, dass die Keuschheit die Schwierigkeiten in der Sexualität beeinflusst. Dann erforschen sie das und stellen die Tatsache fest, dass ein größerer Prozentsatz derjenigen, die keinen Geschlechtsverkehr haben, später Schwierigkeiten in der Sexualität hat. Dann überspringen sie die eigentliche Beweisführung und setzen voraus, dass ihre Hypothese richtig ist, so dass das Eine das Andere bedingt. Wir können die Fakten jedoch nicht so eigensinnig interpretieren. Es gibt auch viele lustige Ableitungen solcher Denkweisen, besonders bei Kindern. Sagen wir, ein Kind sieht, dass seine Eltern jedesmal, wenn sie sich ins Zimmer einschließen, eine halbe Stunde lang dort bleiben, und wenn sie rauskommen, sind sie gut gelaunt und haben rote Wangen. Das Gleiche passiert auch bei einem Familienfest, wo sie Wein und Bier trinken. Es ist also logisch, dass die Eltern im Schlafzimmer trinken.
Gründe für die Keuschheit
Der Grund für die Keuschheit ist meistens gleichzeitig der Grund für spätere Schwierigkeiten in der Sexualität. Wir brauchen keine zahlreichen Studien, sondern Kenntnisse über die Verfassung des menschlichen Geistes, seiner Eigenschaften. Falls Menschen eine negative Einstellung gegenüber dem eigenen Körper haben, haben sie keinen Geschlechtsverkehr. Wenn sie dann sexuell aktiv werden, haben sie natürlich mehr Schwierigkeiten damit. Aber nicht weil sie bisher keinen Sex hatten, sondern wegen ihrer negativen Einstellung ihm gegenüber. Eine solche Einstellung ist keine Folge der Keuschheit, da die Keuschheit auch nur eine Folge ist. Unser Körper verrostet nicht wegen Mangel an Sexualität. Falls wir jedoch psychische Hemmungen haben, verursachen diese die Keuschheit und die späteren Schwierigkeiten, die Ursache ist also dieselbe. Es gibt jedoch viele Menschen, die sich ganz bewusst für die Keuschheit entscheiden, auf den richtigen Zeitpunkt warten und natürlich keine Schwierigkeiten in der Sexualität haben. Andererseits werden die meisten, die zu früh sexuell aktiv werden, später mit verschiedenen Problemen konfrontiert. Daran sind jedoch ähnliche psychische Regungen schuld, die schon vorher zum übereilten Sexualleben führten, und nicht der Geschlechtsakt an sich. Viele Menschen hatten schon mit 14 Jahren Sex und führen ein normales Sexualleben.
Also – kann die Keuschheit Sexualprobleme verursachen? Nein, sie kann es nicht. Die Keuschheit kann durch eine bestimmte physiologische oder psychische Regung verursacht werden, die später auch zu Schwierigkeiten in der Sexualität führen kann.































