Kennen Sie den Unterschied zwischen Transvestismus und Transsexualismus?

8.04.2010 | Alexander F.

Viele können noch immer nicht den Transvestismus vom Transsexualismus unterscheiden.

 

 

Mit Transsexualismus haben wir es zu tun, wenn ein Mann oder eine Frau den grenzenlosen Wunsch verspüren, ihr Geschlecht verändern zu wollen.
Mit Transsexualismus haben wir es zu tun, wenn ein Mann oder eine Frau den grenzenlosen Wunsch verspüren, ihr Geschlecht verändern zu wollen.

 

Was ist Transvestismus?

Die Zeit, die ein Transvestit mit einer aufgesetzten Frauenperücke, mit Frauenunterwäsche bekleidet und in Frauenkleider gehüllt verlebt, ist die Zeit, in der er wohlige sexuelle Erregtheit verspürt. Er trägt also Frauenkleider, um erregt zu werden. Transvestiten sind ausschließlich männlichen Geschlechts. Für sie ist charakteristisch, dass sie zwar heterosexuell veranlagt sind, den Gedanken an homosexuelle Kontakte verwerflich finden und nicht darüber nachdenken, ihr Geschlecht tatsächlich verändern zu wollen, da sie die Verbundenheit mit ihrem biologischen Geschlecht klar und deutlich fühlen. Gerade die sexuelle Veranlagung ist es, nach der sich Transvestiten von einigen homosexuellen Männern unterscheiden, die äußerst feminin agieren können. Exzentrische Jugendliche, die mit ihrer schrillen Art des Kleidens bloß Aufsehen erregen wollen, gelten nicht als Transvestiten sowie es auch nicht psychisch Erkrankte tun, die gewisse transvestitenähnlichen Tendenzen aufzeigen.

Nach Meinung von Psychoanalytikern beginnt transvestives Verhalten schon in frühester Kindheit, und zwar als Folge falscher Erziehung. Ist die Erziehung zu mild, nicht restriktiv, oder wenn Eltern auf andere Arten und Weisen die psychosexuelle Entwicklung sowie den persönlichen Differenzierungs- und Individualisierungsprozess ihres Sohnes beeinträchtigen, „verschmilzt“ sich das Kind in gewisser Weise mit der Mutter und hat als Folge dessen Probleme mit der Selbstfindung. Im Unterbewusstsein wird er sich immer mit seiner Mutter identifizieren. Anders gesagt, seine Mutter zu imitieren wird bei ihm zu einer tiefen Lust.

Transvestiten treffen sich gerne in Klubs, machen sich miteinander über Zeitungsannoncen bekannt oder treten als Stripperinnen vor (oft) verdutzten Zuschauern auf. Teil-Transvestiten sind solche, die ihrem transvestiven Verhalten und ihren Bekleidungsvorlieben nur vor und während dem Sex folgen und es als Teil eines Spiels erachten, dass das Sexualleben etwas schärfer gestallten soll.

Und was ist Transsexualismus?

Mit Transsexualismus haben wir es zu tun, wenn ein Mann oder eine Frau den grenzenlosen Wunsch verspüren, ihr Geschlecht verändern zu wollen (solche Menschen fühlen sich dem anderen Geschlecht zugehörig), d. h. ihre körperlichen Merkmale sowie auch den sozialen und rechtlichen Status. Solche Menschen tendieren schwer an ihrer Situation zu leiden. Transsexualismus gilt als eine spezifische Störung in Bezug auf die geschlechtliche Identität und in Bezug auf die geschlechtliche Rolle. Sigusch et al. (1978) spricht über folgende Merkmale von Transsexuellen:

1. Transsexuelle sind der völligen Überzeugung, dass sie dem anderen Geschlecht angehören, und dass sie „in der falschen Haut“ stecken.

2. Transsexuelle sind besessen vom Wunsch, ihr Aussehen verändern zu wollen, weil es ihrer Überzeugung nach nicht mit ihrer geschlechtsbezogenen Gedankenwelt übereinstimmt. Dieser Wunsch manifestiert sich oft schon in frühester Kindheit und wird danach ständig stärker, bis er in echte Besessenheit ausartet.

3. Transsexuelle ekeln sich über die biologischen Geschlechtsmerkmale ihres eigenen Körpers (das Glied, den Bart, die Brüste, die Vagina, die Menstruation), deren Präsenz sie mit Hass erfühlt.

4. Bis Transsexuelle ihr Geschlecht nicht verändern, verstoßen und verachten sie jeden Gedanken über homosexuelle Kontakte, wobei sie einige doch pflegen, vor allem solche, die sich zur Frau umoperieren lassen wollen. Größtenteils lässt sie jeglicher Gedanke an geschlechtliche Aktivität völlig kalt und interesselos; Selbstbefriedigung, zum Beispiel, erinnert sie bloß an die quälende Realität ihres Körperbaus.

5. Schon in der Kindheit und besonders ab der Pubertät beginnen Transsexuelle Kleidung, die für das andere Geschlecht bestimmt ist, zu tragen. Dabei werden sie im Gegensatz zu Transvestiten sexuell überhaupt nicht erregt, sondern kommen nur in seelischer Hinsicht zur Ruh. Sie fangen bald an, das, für das andere Geschlecht spezifische Benehmen, und die Art des Sprechens zu imitieren, sie suchen sich stereotype Berufe aus und ändern ihren Namen sowie alle anderen persönlichen Eigenschaften.

Im Großen und Ganzen stellen sich biologische Männer, die sich zur Frau umoperieren lassen wollen, schlechter auf die neue Geschlechtsrolle ein, als zu Männern werdende Frauen. Biologische Frauen sind schon vor der eigentlichen Operation dynamischer, lockerer, extrovertierter, arbeitsfreudiger und geselliger. Nach der tatsächlichen Veränderung des Geschlechtes, begeht ein ziemlich großer Prozentsatz der Umoperierten Selbstmord. Nur etwa 25 % der Transsexuellen heiraten nach der Operation, und ein noch kleinerer Teil von ihnen führt eine glückliche Ehe.

 

Mehr über den eigentlichen Verlauf einer Geschlechtsumwandlung und darüber, wie der mehrjährige Prozess, der bis zur endgültigen Veränderung führt, aussieht, können Sie sich sehr anschaulich dargestellt (auch mit Video-Aufnahmen von Operationen) in unserem Erotiklexikon ansehen.

 

Übersetzungen

SLO | HRV | ENG | DEU | RUS

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