Klitoraler oder vaginaler Orgasmus?
Worin liegt das Geheimnis des Orgasmus bei Frauen? In der Klitoris oder in der Vagina? Hier erfahren Sie alles!
Der Frauenorgasmus regt seit jeher die Fantasie und die Geister an. Er ist viel weniger sichtbar, wie der männliche. Er ist geheimnisvoll und noch weitgehend unerforscht. Gerade deswegen sind die Frauen und ihre Sexualität noch immer von Mythen umgeben.
Nach Anna Koedt existiert bei Frauen nur der klitorale Orgasmus
In den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wirbelte die feministische Schriftstellerin Anna Koedt, mit ihrem Werk über den weiblichen Orgasmus, viel Staub auf. Ihrer Meinung nach gibt es nur einen richtigen Orgasmus und das ist der klitorale Orgasmus. Vor ihr behauptete der Vater der Psychoanalyse gerade das Gegenteil, nämlich dass der einzig wahre Orgasmus der vaginale Orgasmus sei. Er soll für den Schritt vorwärts in der menschlichen (weiblichen) Sexualität darstellen. Beide gingen bei ihren Behauptungen vom damaligen Stand der Wissenschaft und den Verhältnisse in der Gesellschaft aus. Ihre Behauptung über den klitoralen Orgasmus ging wahrscheinlich aus dem Wunsch nach Wiederstand gegen die damals verbreitet Meinung, dass eine Frau, die keinen vaginalen Orgasmus erlebt, frigide sei, aus.
Wie wissen wir, dass sie gekommen ist?
Die Wissenschaft hat sich seitdem weiterentwickelt, aber die Fragen über den weiblichen Orgasmus blieben. Was stimuliert sie mehr, welcher Orgasmus ist der wahre, der klitorale, der vaginale oder nicht zuletzt der vorgetäuschte, den sie aus dem jahrhundertelangen anerzogenen Wunsch nach Gefallen und Befriedigung ihres Mannes vorspielt? Einige Frauen gaben sogar zu, dass sie sich so lange nicht entspannen können, bis ihr Partner nicht befriedigt ist. Mit dem menschlichen Drang nach Wissen und dem Verstehen von allem was uns umgibt, hat er sich eine schwere Aufgabe gestellt, als sie mit der Erforschung der weiblichen Sexualität begann.
Auffassung der Frigidität
Unkenntnis über die weibliche Sexualität kann im großen Maße dem männlichen Patriarchat, der männlichen Dominanz und Denkweise zugeschrieben werden. Und der Stille der Frauen. Ihre Schlussfolgerungen gingen oft aus ihren eigenen Frustrationen aus, was oft falsche Resultate und Auffassungen zur Folge hatte. Es waren die Männer, die die Frauen als frigid definierten. Dabei stützen sie sich auf die Erkenntnisse des Vaters der Psychoanalyse Freud. Die relative Unkenntnis der weiblichen Anatomie führte zur psychiatrischen Diagnose der Frigidität, die besagt, dass eine Frau frigide ist, weil sie unfähig ist sich ihrer Rolle der frau anzupassen. Frigidität bedeutet für die Frau also eine doppelte Belastung, weil sie mit dieser Diagnose zweimal als unnormal gestempelt wird – physisch und psychisch.
Die Frage der Frigidität und des weiblichen Orgasmus ist also keine Frage der physischen oder psychischen Unangepasstheit, sonder der Unkenntnis über den Frauenkörper und wegen der ideologischen Mythen über Männer und Frauen. Es ist also gut, dass sich eine Frau gefunden hat, die den Blick auf die Klitoris gelenkt hat, die von beiden vorher vernachlässigt wurde. Die Klitoris war vor allem den Männern ziemlich egal, weil sie keine Rolle bei ihrem Genuss spielte. Und wenn sie unwichtig für ihn ist, kann sie auch keine Rolle bei den Frauen spielen. Auch Frauen selber hatten nicht viel Ahnung über die Stimulierung der Klitoris, weil das früher als sündiges Treiben angesehen wurde. Die Klitoris spielte, im besten Fall, beim Vorspiel eine Rolle.
Vagina vs. Klitoris
Wir haben also zwei Forscher. Ihn und sie. Jeder aus seiner eigenen Zeit. Sie folgt seinen Entdeckungen und wiederspricht ihnen. Sie ergänzt sie. Wir dürfen aber beide Theorien nicht aus dem damaligen gesellschaftlichen Kontext reisen. Er sagt, dass die Vagina das Zentrum ist, sie lenkt die Gedanken auf die Klitoris. Durch die Geschichte hindurch wurden Frauen als ziemlich geschlechtslose Wesen dargestellt. Dazu verhalf auch die eher hohe Rate der Frigidität, die danach gemessen wurde, wie viele Frauen einen vaginalen Orgasmus erreichen. Freud kam zu seinen Resultaten nicht durch Kenntnisse und durch Studieren der weiblichen Anatomie, sondern durch Schlussfolgerungen und der Überzeugung der Unterstellung dem Mann und seiner Verherrlichung des allmächtigen Penis. Die männliche Ablehnung der Bedeutung der Klitoris stammt wahrscheinlich auch aus Angst vor Zurückweisung, wenn die Frauen einmal herausgefunden hätten, dass der Penis nicht der einzige Weg in den Himmel der Lust ist.
Einige Anhänger von Freud haben sich aber (leider?) mit der weiblichen Anatomie beschäftigt und kamen sogar zum Schluss, dass die Frigidität mit einer Operation behandelbar ist, weil die Frigidität angeblich dadurch, dass die Vagina und die Klitoris zu weit auseinander sind, ausgelöst wird (nebenbei, haben sie damit nicht indirekt die Bedeutung der Klitoris zugegeben?). Aber eigentlich stand nicht die Frau im Mittelpunkt. Sie wollten sie nur so formen, damit sie endlich ihren Erwartungen entspricht.
Die Verstümmelungen der Körper sind aber nicht der einzige Schaden den sie mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen verursacht haben. Besonders darunter gelitten hat die Psyche der Frauen, ihr Selbstbild. Viele Frauen verspürten ein Gefühl der Schuld, weil sie den Erwartungen nicht gerecht wurden. Und sie wurden auch jeder Freude beim Sex beraubt. Viele junge Frauen bekamen den Rat mit auf ihren Weg „sei geduldig, es geht schnell vorbei“.
Der weibliche Orgasmus hängt nicht nur von der Vagina, der Klitoris, der psychischen und physischen Erregung, dem Vorspiel und der Größe des männlichen Gliedes ab – es hängt von allem zusammen ab. Schon Kinsey kam bei seinen Test zu dem Ergebnis, dass nur 14 % der Frauen intensive Gefühle bzw. Empfindlichkeit im Inneren ihrer Scheide empfinden. Das ist nicht weiter tragisch, weil die Scheide noch viele andere Funktionen erfüllt, als nur sexuelle Befriedigung (Menstruation, Gebären …).
Ist vaginaler Orgasmus vom G-Punkt abhängig?
Setzen wir in die Gleichung noch einen Mann ein. Emmanuelle Jannini betonnte die physischen Unterschiede zwischen Frauen und sagte, dass einige Frauen, die einen ausgeprägten G-Punkt haben, fähig sind einen vaginalen Orgasmus zu erleben. Also könnte man daraus schlussfolgern, dass der klitorale Orgasmus allen Frauen eigen ist und der vaginale eher eine Ausnahme ist?
Die Verherrlichung eines Orgasmus über dem anderen ähnelt dem Krieg zwischen zwei Welten, wo nur eine gewinnen kann und kein Platz für Kompromisse ist. Fakt ist, dass das Zentrum des Orgasmus schwer zu lokalisieren ist. Das gewaltsame Eindringen in den Kern des weiblichen Orgasmus macht keinen Sinn. Die Frauen in einen definierten Rahmen zu zwingen scheint wie ein Verbrechen an ihrem wunderwollen Geheimnis. Es gibt halt nicht nur eine Frau. Das ist vielleicht das einzige Geheimnis, dass man über Frauen wissen muss.




























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