Liegt Promiskuität in der Natur des Menschen?

27.05.2009 | Alexander F.

Das Experimentieren mit mehreren Sexpartnern bzw. die Promiskuität ist ein natürlicher Prozess, der jedoch von der Gesellschaft nicht gebilligt wird.


Das Gegenteil der viktorianischen Vorstellung einer Frau, die zu promiskuitiven Gedanken anregt. (jlp)
Das Gegenteil der viktorianischen Vorstellung einer Frau, die zu promiskuitiven Gedanken anregt. (jlp)

Durch das viktorianische Bild der verkommenen Frau, die ihre Unschuld verlor, sich der Lust hingab und Tag ein Tag aus der Promiskuität frönte, wurde eine Doppelmoral geschaffen, um jungen Frauen die Angst vor Sex und der Sünde einzupflanzen. Das bedeutet natürlich noch lange nicht, dass es keine Promiskuität gibt.

Promiskuität unter Studenten

Ein typisches Beispiel für die Promiskuität bzw. den Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern unter Studenten beschrieb Maureen Green in ihrem Buch, in dem sie von der jungen und attraktiven Audrey erzählt. Audrey sucht sich auf jeder Party einen attraktiven jungen Mann, verführt ihn und verbringt mit ihm die Nacht. Während ihre Freunde ihr Verhalten verurteilen, drängt sie die eigene Unsicherheit, mit ihrem promiskuitiven Tun weiterzumachen. Ihre ganze Kindheit war sie nämlich um die Liebe des Vaters bemüht, nun, als sie erwachsen ist, erkannte sie, dass sie mit ihrer sexuellen Anziehungskraft die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zu ziehen vermag. In den oberflächlichen Beziehungen suchte sie nach etwas Festem und Tieferem. Durch das promiskuitive Verhalten versperrte sie sich jedoch selbst die Tür zur wahren Liebe. Sie hörte mit dem ständigen Wechsel der Sexpartner erst auf, als sie einen älteren Mann kennen lernte, der ihr Verhalten zu deuten verstand und ihr helfen konnte.


Promiskuitive Generation

Es ist allgemein bekannt, dass die Sechziger und die frühen Siebziger die Zeit der Generationen waren, die durch die Promiskuität die fehlende Elternliebe zum Ausdruck brachten. Viele versuchten, diesen Mangel durch das Leben in einer promiskuitiven Gemeinschaft zu ersetzen.

 

Das Leben in einer Gemeinschaft beinhaltet auch Promiskuität. Aber der Eifersucht konnte man deswegen trotzdem nicht entfliehen. (jlp)
Das Leben in einer Gemeinschaft beinhaltet auch Promiskuität. Aber der Eifersucht konnte man deswegen trotzdem nicht entfliehen. (jlp)

Gründe für die Promiskuität


Der Mann wird allein durch das Beobachten der eventuellen Sexpartnerin erregt, die Frau meistens nicht. Der Mann wird erregt, weil seine Erregung auf seinen vorherigen Erfahrungen gründet, während dies bei der Frau meistens nicht der Fall ist. Der Mann wird schon beim Gedanken an die neue Erfahrung, die neue Frau, den neuen Genuss, den er in der neuen Beziehung und durch die neuen Techniken zu erleben vermag, erregt. Seine „promiskuitive Fähigkeit“ ist dafür verantwortlich, dass er sich im Voraus die anatomischen Unterschiede, die Techniken, die er einsetzen wird, und die Reaktionen der neuen Partnerin vorstellt. Keiner der aufgezählten Parameter ist für eine durchschnittliche Frau dermaßen von Bedeutung wie für einen Mann.


Wieso ist der Mann promiskuitiv eingestellt?


Die männliche Promiskuität quillt häufig aus dem Genuss, der dem Mann das Verfolgen und die erfolgreiche Eroberung einer neuen Partnerin bieten. Als er seine Manneskraft bei einer Partnerin einmal unter Beweis gestellt hat, verleitet ihn sein promiskuitiver Instinkt, dies bei einer neuen Partnerin zu tun. Führt man diesen Gedanken weiter, kommt man zur Schlussfolgerung, dass ein Mann oft nicht mit der unmittelbaren Partnerin verkehrt, sondern mit allen Frauen, mit denen er je zusammen war und in Zukunft sein möchte.


Das promiskuitive Verhalten macht den Mann zum Jäger. Paradoxerweise gibt ihnen ihre Promiskuität Selbstvertrauen, weil sie sonst keines hätten. (jlp)
Das promiskuitive Verhalten macht den Mann zum Jäger. Paradoxerweise gibt ihnen ihre Promiskuität Selbstvertrauen, weil sie sonst keines hätten. (jlp)

Der legendäre Kinsey über die Promiskuität

Im Mittelpunkt von Kinseys Erläuterungen der männlichen und weiblichen Promiskuität sind die Unsicherheit und die Suche nach einer tiefen und befriedigenden Bindung. Keine andere Eigenschaft zeigt deutlicher auf die Unsicherheit als das Bedürfnis nach Selbstbestätigung, das durch ein promiskuitives Verhalten zu stillen versucht wird. In diesem Zusammenhang schrieb Wilhelm Reich, dass, wenn der Mensch endlich seine Suche nach der orgastischen Befriedigung erfolgreich abgeschlossen hat, er in einer monogamen Beziehung viel zufriedener ist. Durch die sexuelle Befriedigung keimt der Wunsch nach wechselnden Partnern nicht mehr auf.

Aber was, wenn der entsprechende Partner nicht gefunden werden konnte? Dieser Fall tritt heutzutage immer häufiger zu, weswegen die Monogamie in ihren promiskuitiven Gegenpart umschlägt, in eine nicht enden wollende Suche des bzw. der Richtigen. Ist der Partner gefunden, löst sich der Mensch vom promiskuitiven Verhalten und kehrt zur Monogamie zurück, die so lange andauert wie die sexuelle Harmonie und Befriedigung. Promiskuitive Gedanken kommen nicht mehr auf, die Partner interessieren sich nur noch füreinander.




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SLO | HRV | ENG | DEU | RUS

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