Sind Männer wirklich triebgesteuerter als Frauen?
Stimmt die allgemeine Überzeugung, dass Männer öfter an Sex denken als Frauen, oder handelt es sich um ein Klischee, das schon lange nicht mehr zutrifft?
Ist die Behauptung, dass Männer triebgesteuerter sind als Frauen, nur ein Klischee, das nicht mehr stimmt? (PhotoXpress)
Mehr zum Thema Sexuelle Harmonie finden Sie in unserer Enzyklopädie der Sexualität!
Romantische Frauen und verdorbene Männer
Auf eine Frage, die Romantik und Sex in Verbindung bringt, würden Männer und Frauen wahrscheinlich ganz unterschiedlich antworten. Männer würden ohne Nachdenken erklären, dass sie Sex einfach toll finden, Frauen würden ihn aber bestimmt eher mit Gefühlen und einer ernsten Beziehung in Verbindung bringen. Das vermutet jedenfalls die Autorin Susan Selinger, die davon überzeugt ist, dass es sich um ein Klischee handelt, das aber noch immer der Wahrheit entspricht. Oder wie Dr. Eva Ritvo, stellvertretende Vorsitzende der psychiatrischen Abteilung des Medical Center in Miami, meint: "Für die Männer glauben wir, dass ihr Wunsch nach Sex größer ist als bei den Frauen, diese Annahme stimmt auch in den meisten Fällen." Alle Männer sind jedoch nicht gleich. Bei einigen ist der Wunsch nach Sex größer, bei anderen etwas kleiner. Vielleicht wäre es am besten, ihre Triebhaftigkeit mit dem Wunsch nach Essen zu vergleichen. Einige würden gern Tag und Nacht essen, anderen reicht schon eine warme Mahlzeit. Oder wie Susan Selinger scherzhaft sagte: "Kein Mann mag es, zu spät zum Mittagessen zu kommen."
Wie oft denken wir an Sex?
Wissenschaftler versuchen schon seit geraumer Zeit die menschliche Triebhaftigkeit zu messen. Genauer gesagt, den Unterschied zwischen der männlichen und weiblichen Triebhaftigkeit. Die Ärztin Patricia Koch aus Pennsylvania, die die Triebhaftigkeit in den Wunsch nach Sex umbenannt hat, ist davon überzeugt, dass die Definierung des menschlichen Wunsches nach Sex eine äußerst schwierige Aufgabe ist. Die Anzeichen der sexuellen Erregung sind zwar sehr klar und sichtbar. Der Mann bekommt eine Erektion, die Frau wird feucht und die Klitoris steif. Aber oft kommt es auch zum Wunsch, der sich nur im Gehirn zeigt. Den man am Körper also nicht sehen kann. Gerade diesen Wunsch möchte Koch bestimmen. Wissenschaftler sind der Meinung, dass der Wunsch nach Sex bei Männern leichter zu erkennen ist, da bei ihnen alles auf einer linearen Linie verläuft, ohne Veränderungen. Einfach vom Wunsch über die Erregung zum Orgasmus. Bei Frauen ist das natürlich anders. Dort ist die Linie kurvenreich und komplexer, da auch starke Gefühle eine Rolle spielen. Deswegen brauchen Frauen auch länger um warm zu werden und den Höhepunkt zu erleben. Und Achtung, vielen Frauen bedeuten eigentlich die Hingabe des Partners und die Tatsache, dass sie geliebt werden und sich in einer sicheren Umarmung befinden, mehr als ein Orgasmus.
Unterschiede zwischen den Partnern
Der größte und ganz einfache Unterschied zwischen den Partnern ist natürlich die Tatsache, dass einer mehr Sex will als der andere. Dass der eine mehr Sex braucht als der andere. Und dass beide deswegen große Schwierigkeiten haben können. Den einen nervt es, dass er ihn nicht kriegt. Den anderen aber, dass er deswegen die ganze Zeit genervt wird. Eine Forschungsarbeit des Ehetherapeuten Richard Driscoll hat gezeigt, dass amerikanische Paare, die z. B. fünf Jahre verheiratet sind, ein- bis zweimal in der Woche Sex haben. Und dass in den folgenden Jahren gerade aus diesem Grund Probleme aufkommen, weil die Frau nicht mehr so viel Sex braucht. Ein Fünftel der Frauen hat zugegeben, dass sie ihre Männer im Bett schon mehrmals zurückgewiesen haben, mindestens die Hälfte der Männer hat angegeben, dass sie von ihren Frauen schon öfters abgewiesen wurden, als sie Sex wollten. Ein sehr interessanter Unterschied zwischen Männern und Frauen ist auch der, dass das Ausbleiben von Sex die Männer unglücklich stimmt, wohingegen Frauen fast normal ohne ihn auskommen. Das behauptet jedenfalls der Professor für Soziologie Edward Laumann, der zusätzlich erklärt, dass Männer auf der anderen Seite aber viel zufriedener mit ihrem Sexualleben sind als Frauen, die sich natürlich wegen des Nicht-Erlebens des Orgasmus beschweren. Bedeutet das etwa, dass Männer Egoisten sind, die nur an die eigenen Freuden denken? Wir hoffen von Herzen, dass nur die amerikanischen Männer so sind und die tüchtigen Europäer ganz anders.
Guter Sex bedeutet den Weg zum Glück
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass guter Sex die Voraussetzung für ein glückliches und gesundes Leben ist. Dass Paare, die viel Sex haben, gesünder und zufriedener sind als Paare, die an Sex vergessen haben. Am gesündesten ist aber Sex, der mit Liebe verbunden ist. Das hat vor kurzem eine neue Studie gezeigt, bei der verheiratete Paare und Menschen in einer ernsten Beziehung körperlich und psychisch gesünder waren. Bedeutet das etwa, dass Singles beider Geschlechter, die Sex nur zum Spaß haben, weniger gesund sind, weil der Sex nicht durch Liebe ausgebaut wird? Das ist wahrscheinlich eine zu gewagte Theorie, die sich vielleicht aber mit praktischen Erfahrungen einmal als wahr herausstellen wird. Es kann nämlich passieren, dass der Single über eine längere Zeit keinen Sex hat und deswegen nervös und angespannt wird, wohingegen ein Mensch in einer Beziehung seinen Partner immer zum Greifen nahe und diese Problem nicht hat.
Ist Ihr Mann triebgesteuerter als Sie?
Dass in einer Beziehung einer der Partner an Sex mehr interessiert ist als der andere, ist normal und eigentlich ganz logisch, deswegen sollten Sie sich damit nicht belasten. Öfter ist der Mann derjenige, der mehr Sex braucht, aber auch Beziehungen, in denen diese Ehre der Frau zuteil wird, sind nicht selten. Insbesondere wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass die Frau nach dem Orgasmus sofort wieder Sex haben kann. Wenn Sie dieser Unterschied anfängt zu stören und einer der Partner immer unzufriedener wird, raten wir Ihnen, nicht die Nerven zu verlieren. Dass Sie Ruhe bewahren und die Sache auf korrekte und verständnisvolle Weise klären.
Mehr zum Thema Sexuelle Harmonie finden Sie in unserer Enzyklopädie der Sexualität!































