Was sagt eine vulgäre Ausdrucksweise über uns aus?

1.04.2010 | T. B.

„Lutsch meinen Schwanz! Schlampe!“ Kommen solche Schimpfworte auch in Ihrem Vokabular vor? Was sagt sie eigentlich aus?

 

 

Schimpfworte und sexuelle Ausdrücke stimmen miteinander überein. (PhotoXpress)

Schimpfworte und sexuelle Ausdrücke stimmen miteinander überein. (PhotoXpress)

 

Im deutschen Wortschatz stehen einem einerseits harmlose Schimpfworte zur Verfügung, die fast schon kindisch wirken, wie zum Beispiel "Heiliger Bimbam!" oder "Ach du grüne Neune", andererseits kommen in der deutschen Alltagssprache recht saftige Schimpfworte vor, die man mit dem allergrößten Vergnügen benutzt. Einige davon wurden auch aus anderen Sprachen übernommen.
 
So ist das Schimpfwort "Schlampe" heutzutage ein völlig normal verwendeter Ausdruck, der einem leicht herausrutscht, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Ähnlich ist es mit „verdammter Hurensohn“, ganz zu schweigen von den englischen Schimpfworten.

Was sagt ein Schimpfwort über seinen Benutzer aus?

In Deutschland ist man sehr innovativ ist und alles, was deutsch ist, sehr hoch schätzt. Es sagt jedoch noch mehr über den Menschen aus. Nicht nur über den einzelnen Menschen, nicht nur über das deutsche Volk, sondern über alle, die so gerne (man könnte fast schon sagen stolz) ein Schimpfwort nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln. Egal ob man seine Wut bzw. Frust auslassen will oder ganz alltägliche Situationen kommentiert, es werden Ausdrücke verwendet, die mit Sex zu tun haben. Schimpfworte und sexuelle Ausdrücke stimmen miteinander überein. Am interessantesten ist die Tatsache, dass diejenigen mit solchen Ausdrücken um sich werfen, die eigentlich sexuell sehr verklemmt sind. Die Indianer, deren Einstellung zur Sexualität weniger repressiv ist, benutzen z. B. auch zum Ausdruck von Frust andere Wörter.

Schlampe bzw. Hure als Schimpfwort

Schlampe beziehungsweise Hure sind zwei umgangssprachliche Ausdrücke für eine weibliche Prostituierte. Sie bezeichnen jedoch auch eine Person, die unordentlich, ungepflegt, schlampig usw. ist und ganz bestimmt nicht respektiert und gepriesen wird. Es ist nicht so, dass wir auf einzelnen Wörtern herumhacken würden, aber Wörter sind nicht bloß Wörter. Sie spiegeln vieles wider, durch sie wird viel Unbewusstes transformiert, sie können die Antriebskraft für Taten sein. Wörter haben ihre eigene Kraft. Sie haben eine Überzeugungskraft. Wovon überzeugen uns also die Schimpfworte, die wir benutzen? Dass die Frau und alles um sie herum schlampig und ungepflegt ist. Oder die moderne Version: Dass sie ein echt heißer Feger ist, wenn wir sie mit einem so erniedrigendem Ausdruck bezeichnen?

Wird "Lutsch meinen Schwanz!" als Schimpfwort verstanden?

Lutsch meinen Schwanz (oder leck mich, oder wir können uns auch mit Englisch aushelfen und suck my dick sagen) ist ein Schimpfwort, das noch paradoxer ist. Wir fassen etwas, das Genuss bereiten und ein Zeichen der Hingabe sein soll, als eine Strafe, eine erniedrigende Tat auf. Ist das Blasen wirklich eine so harte Strafe, dass wir damit ein Wortgefecht austragen müssen? "Lutsch meinen Schwanz" ist die Kehrseite derselben Medaille, die Frauen in eine undankbare Lage in Bezug auf die Sexualität bringt. Eine Frau ist diejenige, die eine ungepflegte Schlampe ist, und eine Frau ist diejenige, die diese bestimmte Sache mit dem Ding da unten macht. Ja, wenn wir nicht gerade wie ein LKW-Fahrer fluchen, sprechen wir sehr steril über die Sexualität. Auch das deutet auf unsere ablehnende Haltung in Bezug auf die Sexualität hin. Stimmt mit dem Blasen, der Frau oder der gesellschaftlichen Auffassung von Sexualität etwas nicht? Vielleicht sind wir uns dessen nicht bewusst, aber trotzdem sind all diese Wörter nicht einfach zufällig so stark verbreitet. Seien wir mal ehrlich, reflektieren diese Wörter nicht auf eine gewisse Weise die allgemeine Einstellung gegenüber Frauen und ihrer Sexualität in der Gesellschaft?

Ist dann "Leck meine Muschi" ein Schimpfwort?

Wie oft hören Sie den Satz "Leck meine Muschi"? Ich habe ihn noch nie gehört. Und ich frage mich, ob deshalb, weil die Frauen ihre Genitalien nicht als eine Strafe Gottes ansehen, oder deshalb, weil Frauen den Oralverkehr nicht so selbstbewusst einfordern können wie Männer, oder schätzen Frauen ihre Geschlechtsorgane zu sehr. Na ja, das Letztere bezweifle ich stark. "Strichersohn" hört sich sogar noch exotischer und merkwürdiger an.

Schimpfworte spiegeln die Tatsache wider, dass es in unserer Kultur nichts Schlimmeres gibt, als eine Frau zu sein. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wir können jedoch getrost sagen, dass das bei den meisten Schimpfworten der Fall ist. Wenn wir nach den Schimpfworten urteilen, ist es durchaus härter eine Frau als ein Mann zu sein.

 


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