Wir öffnen die Akte: ZOOPHILIE

21.08.2009 | M. M.

Wie weit geht die Liebe des Menschen zu Tieren? Schon mal von Zoophilie gehört - früher magisch, heute verboten?

 

 

In der Antike galt Zoophilie als magische sexuelle Vereinigung zwischen Mensch und Tier. (jlp)

In der Antike galt Zoophilie als magische sexuelle Vereinigung zwischen Mensch und Tier. (jlp)

Was ist Zoophilie?

Zoophilie oder Sodomie wird zu den tabuisiertesten Sexualpraktiken gezählt, über die man aus der Kultur-, Kunst- und Genregeschichte weiß, dass je größer sie sind, desto mehr Vergnügen sie dem Menschen bereiten, sie zu brechen. Die Zoophilie ist so alt wie die Menschheit, die meisten Beispiele findet man in den antiken Mythen und Geschichten, in denen sich die Götter den gewöhnlichen Sterblichen in einer ganz bestimmten Tiergestalt näherten. Erinnern wir uns an Leda, die von Zeus in Gestalt eines Schwans Besuch bekommt, und an Zeus Geliebte Io, die mit einem Stier ein Verhältnis hatte, in den sich Zeus auch verwandelte, als er Kadmos Schwester Europa raubte und nach Kreta brachte. In der Antike galt Zoophilie als magische sexuelle Vereinigung zwischen Mensch und Tier, die einzigen, die in dieser heiligen Beziehung zur Zeugung einer Nachkommenschaft fähig waren, waren ihre Götter.

 

Schafe sind häufig der Lust von zoophilen Hirten ausgesetzt. (jlp)

Schafe sind häufig der Lust von zoophilen Hirten ausgesetzt. (jlp)

Kinsey und die Zoophilie

Durch die Entwicklung der Psychoanalyse wurde auch das eingehende Untersuchen der menschlichen Sexualität angeregt. Alfred Kinsey (1894-1956), ein amerikanischer Biologe und einer der Pioniere in diesem Bereich, widmete sich in seinem berühmten Bericht, der in der konservativen amerikanischen Öffentlichkeit für tektonische Bewegungen sorgte, auch der Zoophilie, da er unter den ungefähr 20.000 Befragten auf fast hundert Amerikaner und Amerikanerinnen stieß, die schon mehr als dreimal in ihrem Leben einen Orgasmus durch Kontakt mit einem Tier erlebten. Kinseys Feststellungen zufolge herrschen in dieser Gruppe Männer vor, die meist aus dem ruralen Umfeld kommen, während Zoophilie auf heranwachsende Jugendliche beschränkt sein und enden sollte, wenn diese eine sexuelle Beziehung mit einer Person des anderen oder des gleichen Geschlechts aufbauen. Kinsey ist der Meinung, dass der Mensch sexuellen Kontakt mit einem Tier sucht, weil er neugierig ist, oder er keine andere Möglichkeit hat, seine Bedürfnisse zu befriedigen.

 

Es sollte nicht vergessen werden, dass Cicciolina mit einem Pferd verkehrte. (jlp)

Es sollte nicht vergessen werden, dass Cicciolina mit einem Pferd verkehrte. (jlp)

Weitere Untersuchungen im Bereich Zoophilie

Richard Krafft-Ebing (1840-1902), ein deutscher Psychiater, Neurologe und Gerichtsmediziner, Professor an der Universität Wien, der im Jahr 1886 sein bekanntestes Buch, Psychopathia Sexualis, veröffentlichte, in dem er als Erster sexuelle Abweichungen systematisierte und versuchte, sie wissenschaftlich zu begründen, definierte die Zoophilie als eine Fetischform, die aus der angeborenen Überempfindlichkeit der Tastnerven hervorgeht. Oder anders ausgedrückt, das Streicheln von Haustieren kann bei einer psychisch unreifen Person mit einem zu früh entwickelten sexuellen Verlangen eine sexuelle Erregung hervorrufen und zum Koitus führen. Krafft-Ebing ist auch der Autor der Prägung Zooerastie, mit der er Zoophilie von Fällen abgrenzte, bei denen der sexuelle Kontakt mit Tieren auf pathologische Ursachen zurückzuführen ist. Interessant ist auch die psychoanalytische Erklärung der Zoophilie, die behauptet, dass das Tier für den Zoophilen ein entmenschtes Objekt darstellt; der Zoophile empfindet gegenüber dem Objekt der Begierde weder Angst noch jegliche Verpflichtungen. Das Objekt wird sich nicht rächen, wenn es betrogen wird, das Objekt wird keine Drohungen äußern, wenn es verlassen wird. Gerade durch das Fehlen dieser Empfindungen ermöglicht es vollkommene sexuelle Lustempfindungen. Allgemein gilt, dass sexueller Verkehr mit Tieren unausweichlich Ängste auslöst, insbesondere hinsichtlich des gesellschaftlichen Stigmas und der Verhöhnung, besorgniserregend wird sie, wenn sie zur ständigen Form des Sexuallebens wird und die Kontaktaufnahme und den Aufbau von sexuellen Beziehungen zu menschlichen Partnern und Partnerinnen beeinträchtigt. In diesen Fällen kann durch den Abbruch des sexuellen Kontaktes zu Tieren nicht garantiert werden, dass die Beziehung zu Frauen beziehungsweise Männern besser wird.

 



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