Haben oder Sein
Den Partner können wir nicht haben, aber wir können ihn lieben.
Haben oder Sein? Die Liebe können wir nicht haben, aber wir können Liebe sein. (PhotoXpress)
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Haben oder Sein
Nimmt man 5 beliebige Worte und formt daraus einen Satz, wie zum Beispiel Erich Fromm Haben oder Sein, dann werden viele stutzig. Manche können aber etwas damit anfangen, denn sie Erkennen im Satz den Buchtitel Haben oder sein und dessen Autor, den großen Erich Fromm. Im Buch Haben oder sein bietet Fromm einige Beispiele auf, wie in Bezug auf die Maximen Haben und Sein seiner Meinung nach Gemeinsamkeiten derjenigen Denkweisen herausarbeitet werden können, die sich vom Gedanken des Habens gelöst haben und sich der Sicht des Seins verpflichtet fühlen. Nach Fromm quillt die Essenz des Seins aus den folgenden Feststellungen: 1) die Produktion habe der Erfüllung der wahren Bedürfnisse des Menschen und nicht den Erfordernissen der Wirtschaft zu dienen, 2) das Ausbeutungsverhältnis der Natur durch den Menschen wird durch ein Kooperationsverhältnis zwischen Mensch und Natur ersetzt, 3) der wechselseitige Antagonismus zwischen den Menschen ist durch Solidarität ersetzt, 4) oberste Ziele des gesellschaftlichen Arrangements seien das menschliche Wohlsein und die Verhinderung menschlichen Leides, 5) maximaler Konsum ist durch einen vernünftigen Konsum (Konsum zum Wohle des Menschen) ersetzt und 6) der einzelne Mensch wird zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben motiviert.
Fromms Ansichten über das Haben oder Sein gründen auf der Überzeugung, dass die moderne westliche Gesellschaft mehr zum Haben tendiere. Das Glück des Menschen steige, wenn er über andere erhaben sein kann, über Macht verfüge und seinen Drang nach Eroberung, Erbeutung und dem Töten anderer frei ausleben könne. In Bezug auf das Sein verweist Fromm jedoch auf die Liebe, auf das Vertrauen und auf das Geben, die diesbezüglich als Grundpfeiler des menschlichen Glückes zu werten sind.
Können wir die Liebe auch haben?
Da die Liebe nichts Gegenständliches ist, handelt es sich dabei um etwas Abstraktes, wie zum Beispiel bei einer Gottheit. Dementsprechend kann Liebe auch als eine Göttin verstanden werden, die noch nie jemand bei klarem Verstand zu Gesicht bekam. In Wahrheit gibt es den Akt der Liebe. Die Liebe ist gleich Kreativität, darum fallen wir da auch nicht hinein (to fall in love), sondern werden Teil des Geschehens, das man Liebe nennt, das uns nach Fromm dazu verleitet, dass wir uns erneuern und bereichern können.
Menschen tendieren jedoch mehr zum Haben und, was sie sich diesbezüglich unter Liebe vorstellen, ist in Wahrheit bloß Behinderung, Einsperrung und Kontrolle. Diese Art von Liebe führt dazu, dass man langsam verwelkt. Sie wird zum goldenen Käfig, dass das Sein langsam aber sicher erstickt. Möchten wir so etwas wirklich haben?
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