Liebe erleben soll gelernt sein

23.08.2012 | Alexander F.

Der folgende Artikel wird Ihre Vorstellungen und Wahrnehmungen der Liebe infrage stellen.

 

 

Liebe erleben

Das Erleben von Liebe scheint auf den ersten Blick völlig klar. Trotzdem gibt es mehr Fragen darüber, warum etwas ist, wie es ist. (PhotoXpress)

 

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Die Liebe erleben ist nicht bloß ein biologisches Programm

Auch biologische Programme werden in die Wahrnehmung der Liebe einbezogen, jedoch sind menschliche Gefühle nicht einfach instinktive Reaktionen auf Reize. Emotionelle Reaktionen von Personen, die lieben, hängen auch von ihrer (Selbst)Wahrnehmung (von sog. kognitiven Prozessen) und ihrem soziokulturellen Umfeld ab (z. B. vom Wertesystem, sozialen Beziehungen, den Regeln des Empfindens und des Ausdrückens von Gefühlen nach Außen, von konventionellen Formen des Benehmens), die diesen Arten der (Selbst)Wahrnehmung Form verleihen.

Das Erleben von Liebe hängt von der emotionalen Intelligenz ab

Die Liebe ist also ein kulturelles Phänomen, das an den sozialen Lernprozess gebunden ist. Die Erfahrungen in Sachen Liebe sind nämlich stark damit verbunden, was Menschen über Gefühle wissen. Mitglieder einer bestimmten Kultur erlangen ihr Wissen über die Liebe mithilfe symbolischer Mittel der emotionalen Kultur, wozu formell-wissenschaftliche, religiöse und intellektuelle Theorien, informelle Erwartungen, Redensarten, alte Weisheiten, Legenden, Ratgeber über das emotionale Leben, usw. gezählt werden.

Den modernen Sozialwissenschaftlern nach definieren unterschiedliche Segmente der emotionalen Kultur die Natur, die Bedeutung, die Funktionen und die (Un)Angebrachtheit von Gefühlsereignissen und machen es uns dadurch möglich, Liebe zu erlernen – das Interpretieren ihrer Zeichen – und schaffen dadurch die Grundlage für (gemeinsame) Erwartungen, die die sozialen Akteure anhand eigener und fremder Erfahrungen entwickeln können.

Sind wir Erben der Popkultur?

Mithilfe des Bedeutungssystems, des Wortschatzes, der Normen, die eine bestimmte Kultur festlegt, und durch das Repräsentieren von Liebe durch Kunst, Literatur, Popmusik, Filme, Werbung und Ratgeber schafft es die Kultur die Liebe und intime Beziehungen zu „formen“. Somit inkorporiert sie bestimmtes Denken und Vorstellungen über die Liebe in die Gedankenwelt jedes Einzelnen. Als ob diese Kreationen uns auf ein bestimmtes Empfinden gedrillt hätten, und zwar dadurch, dass sie uns vorzeigen, was zu lieben und geliebt zu sein bedeutet.

Erleben wir die Liebe spontan?

Schon La Rochefoucault verstand die breitere Verflochtenheit der Liebe als eine Entität, die an uns durch die Praktiken der gegebenen Kultur übermittelt wurde, und fragte sich dabei: "Wie viele Menschen würden sich verlieben, hätten sie nie von Liebe gehört?" De Rougemont stimmt mit La Rochefoucault überein und sagt, dass Wünsche, Triebe, Zärtlichkeiten, Zeugung und Zufriedenheit existieren, jedoch keine Liebe, solange sie nicht ausgedrückt wird! Dafür bedarf es der Rhetorik, um Gefühle ausdrücken zu können, die sich dann im Bewusstsein der Menschen einnisten können. Verinnerlichen die Menschen Informationen über bestimmte Gefühle, so können sie sich auch sinnvoll innerhalb einer bestimmten Umgebung orientieren.

Die Sprache spielt eine Schlüsselrolle

Der Prozess des kulturellen Konstruierens von Liebe beinhaltet auch die Sprache. Die Sprache schafft es, über die Bedeutungen, die sie reproduziert, die Realität zu konstruieren und ihr Sinn zu verleihen. Die Sprache als Teil der Kultur (bzw. ohne Sprache könnte man von Kultur überhaupt nicht sprechen) formt das emotionale Leben der Menschen und gibt es auch wieder. Je reicher der Wortschatz einer bestimmten Kultur an Gefühlen ist, desto mehr Wissen über Gefühle kann ergründet werden, mit dem die Mitglieder dieser Kultur verfahren können, wobei der Wortschatz auch den Grad der Bedeutung wiedergibt, die diese Kultur den Gefühlen als Teil des sozialen Lebens verleiht.

Herrscht innerhalb einer bestimmten Kultur jedoch ein Mangel an sprachlicher Form von Gefühlen, so sind die Erkennung und das Eingehen auf bestimmte Gefühle stark beeinträchtigt.

Wer sagt uns, wie wir Liebe erleben sollen?

Massenmedien spielen in den gegenwärtigen westlichen Gesellschaften die Hauptrolle beim Formen unserer Vorstellungen und der Muster des Benehmens im Bezug auf die Liebe. Massenmedien kreieren Ideale, die ein Spiegel unserer Wünsche, Träume, Ängste und Obsessionen sind, und bieten uns eine Palette von Interpretationsmustern an, mithilfe jener wir in kulturelle Rollen schlüpfen und in Liebesbeziehungen eingehen.

Die Macht der technischen Mittel spiegelt sich auch im Einfluss auf die Formung eines Schönheitsideals bzw. von Lustobjekten wieder. Nach De Rougemont wird Schönheit immer klarer standardisiert und schweift immer weiter von den persönlichen Vorlieben ab. Derselbe Autor stellt auch fest, dass die Freiheit der Lust aus den Werbestatistiken ausgeht. Der Mann, der glaubt, nach seiner Traumfrau zu gelüsten, wird unterbewusst von Faktoren wie Mode und Handel beeinflusst, also durch Neuheiten.

Jeder erlebt die Liebe anders

Die Konstruktion der Liebe ist immer gesellschaftlich und individuell – sie pendelt zwischen dem, wie Dinge vorgezeigt werden, und dem, wie der Einzelne diese Dinge interpretiert. Die Liebe scheint eine erlernte "Kunstfertigkeit, Fähigkeit und Empfindung" zu sein, die wir anhand von Normen und Repräsentationen einer bestimmten Kultur vermittelt bekommen.

 

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