Macht es Sinn, das Beziehungsende zu analysieren?
Ein Beziehungsende bringt ein beträchtliches Paket an Schmerz, Wut und Trauer mit sich. Was genau verbirgt sich hinter dem Entschluss für das Beziehungsende?
Durch ein Beziehungsende nistet sich im Körper ein Gefühl von Beklommenheit ein, das nicht so schnell wieder weggeht. (PhotoXpress)
Mehr zum Thema Beziehung überwinden finden Sie in unserer Enzyklopädie der Sexualität!
Beziehungsende oder das Ende einer kleinen Welt
Ein Beziehungsende bedeutet übersetzt das Ende einer kleinen Welt. Auf individueller Ebene natürlich. Was, wo und wieso sind die Fragen, die wohl oder übel die Gedankenwelt des Betroffenen beschäftigen, den Sinn des Lebens in Erinnerungsstückchen zersetzen und Kanäle freisetzen, die Krokodilstränen an den Tag bringen. Anstelle von "Schmetterlingen im Bauch" nistet sich ein Marmorbrocken aus Beklommenheit in die Brust ein.
Aber da sich die Erde weiter dreht und es gesund ist, alte Ketten abzulegen, ist eine detaillierte Analyse von höchster Wichtigkeit. Diese stellt nämlich den einzigen Weg dar, das Vergangene aus einer sozusagen sicheren Entfernung zu bewerten, die dem Menschen erlaubt, die wunderschöne und durchlebte Zeit wie geschichtliche Tatsachen zu lesen. Dadurch wird eine vollkommene Empathie in das Vergangene unmöglich gemacht, entweder kühlen die Gefühle ab, man gibt sich ihnen hin oder die ganze Geschichte wird als abgeschlossenes, aber unausweichliches Kapitel des eigenen Lebens aufgefasst.
Was alles versteckt sich jedoch hinter dem Ausdruck "nicht das Wahre"? Wir stellen Ihnen ein paar ganz einfache, aber auch einige etwas komplexere Gründe vor, wie man zur Last in jemandes Leben beziehungsweise in ihren/seinen Augen vom Einhorn zum Hornochsen werden kann.
1. Leidenschaft, die einst die Grundlage der Beziehung bildete, verblasste, entwickelte sich jedoch zu keiner psychologischen Gebundenheit zwischen Mann und Frau. Eine Sackgasse demnach. Die Euphorie ist weg, da einer von beiden in der entstandenen emotionalen Leere keine Zukunft sieht.
2. Materialität: Dieser Faktor kann nicht ganz vernachlässigt werden, da wir Menschen sehr berechenbare Wesen sind. Wo man lebt, was für ein Verhältnis man gegenüber Eigentum hat und wie stark konsumorientiert man ist, sind nur einige der Faktoren, die den eigenen Lebensstil ausmachen. Mit diesem vergleicht sich dann der Gegenspieler, er sucht nach Parallelen, Gemeinsamkeiten und Divergenzen. Gleichzeitig stellt er Spekulationen über die Zukunft an, versucht herauszufinden, ob die Unterschiede/Gemeinsamkeiten funktional sein könnten.
3. Die Meinung Dritter: Dabei spielt es keine primäre Rolle, was die anderen über den Partner denken, sondern das, was Sie glauben, dass sie denken könnten! Hierzu gehören Ihr sozialer Status und der damit in Beziehung stehende soziale Einfluss und der Grad des Ansehens und Achtung, die Sie vom Umfeld genießen.
4. Überlegungen über seine/ihre Familie: Es hört sich ungewöhnlich an, jedoch sind das Menschen, mit denen Ihnen die Stunden des Zusammenseins viel Freude bereiten sollten. Anderenfalls muss man ihnen aus dem Weg gehen, was für die Zukunft der Beziehung nicht gerade von Vorteil ist, wenn die Baumwurzeln angefault sind.
5. Denkweise bzw. Weltsicht: Die Schlüsselfrage lautet: Müssen zwei Wesen wirklich eine Denkweise teilen, um auch eins zu sein? Oder ist es besser, dass die Unterschiede eine Brücke von einer in die andere Welt bilden, in der der Informationsaustausch die Funktion des Kennenlernens noch unbekannter Bereiche übernimmt.
6. Nationale Zugehörigkeit: Wenn man davon ausgeht, dass jeder Mensch eine Welt für sich ist, dann gestaltet die nationale Zugehörigkeit diese Welt zusätzlich andersartig. Es kann vorkommen, dass Charaktereigenschaften zusammen mit der nationalen Zugehörigkeit in einen Topf geworfen werden, was nicht gerade von Klugheit spricht.
7. Über- und Unterordnung: Frauen beherrschen die Fähigkeit (oder erhoffen sie sie zumindest), den Männern ein Verhalten anzueignen, das sie sich von ihnen wünschen. Kurzum – die Frau entwickelt in der Beziehung dominante Züge, während der Mann um ihre Gunst bemüht ist. Deswegen werden Männer freiwillig von den Frauen am Wickel genommen, während sich Letztere Geborgenheit wünschen. Wenn sie dann das Gefühl bekommen, dass in ihrem Auserwählten keine Spur vom Kerl eines Mannes steckt, verliert dieser an Bedeutung. Welcher Typ Mann sich hinter der Umschreibung „ein Kerl von einem Mann“ versteckt, erfahren Sie ein andermal.
8. Zahl der Geschlechtspartner: Es ist allgemein bekannt, dass jeder Mensch eine bestimmte Anzahl von Geschlechtspartnern in seinem Leben gehabt haben muss, um dann sesshaft zu werden. Das bedeutet, dass man in der Beziehung mit dem Partner schon glücklich ist, aber der Körper hat einfach noch nicht das letzte Wort gesprochen beziehungsweise der Wunsch, mit anderen Menschen sexuellen Experimenten nachzugehen, dirigiert das eigene Leben noch stark. In diesem Fall haben Sie in der Theorie den falschen Platz eingenommen beziehungsweise es befinden sich noch weitere Kugeln in der Trommel.
Aus dem Beschriebenen ist ersichtlich, dass sich hinter der Floskel „nicht das Wahre“ auf jeden Fall sehr konkrete Gründe verstecken, wieso man aus der Gleichung einer Partnerschaft gestrichen wird. Die Frage, wieso es denn so schwierig ist, etwas in Worte zu fassen, was man zuvor sowieso schon durch Taten zum Ausdruck gebracht hat, bleibt unbeantwortet.
"Nicht das Wahre" erfüllt die Funktion eines Füllsels, mit dem all das unterdrückt wird, was sonst ausgedrückt werden sollte. Wie es scheint, bleibt das Kehren unter den Teppich weiterhin eine Tugend, während die Konfrontation mit dem Menschen anscheinend zur Charaktereigenschaft mutiger, aufrichtiger und sprühender Menschen wird.
Mehr zum Thema Beziehung überwinden finden Sie in unserer Enzyklopädie der Sexualität!
































