Wie wichtig ist Ihnen Treue?
Warum versprechen wir einander immer wieder die Treue? Wieso ist uns Treue wichtig?
Treue gilt schon seit Ewigkeiten als das Ideal einer Gemeinschaft. (PhotoXpress)
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Treue zählt zu denjenigen Träumen der Menschen, die sich immer wieder wiederholen, obwohl sie nur selten tatsächlich auf lange Sicht wahr werden können. Aber trotzdem: Treue ist nicht bloß ein öder Wunschgedanke. Im Gegenteil, sie ist das Rückgrat, das Skelett dieses zarten Materials, aus dem die Liebe gemacht wird. Das Erfühlen und die Gemütslage von Liebe sind wechselhaft wie das Aprilwetter. Jeder der liebt, möchte gleichzeitig auch, dass die schönen Momente auf ewig andauern würden, und wünscht sich darum Treue.
Die Grundsteine für Treue werden in der Kindheit gelegt
Tiefere Gründe für Treue liegen im kulturellen Umfeld, das unsere Kindheit prägt, und zwar in der exklusiven und sehr engen Bindung zwischen Mutter und Kind – der ersten echten Beziehung zweier Menschen in ihrem Leben. Von diesem Modell gehen alle anderen aus. Einige Völker kennen diese exklusive Mutter-Kind-Beziehung nicht, da bei ihnen kollektive Verbindungen über die Grenzen der eigenen Familie hinausgehen. In solchen Kulturen fühlen sich Mütter auch für die Kinder anderer verpflichtet und die Kinder fühlen sich dadurch auch mit anderen Müttern verbunden. Darum kennen sie auch die von uns verstandene Form der Eifersucht nicht!!!
Wenn wir jemanden wirklich nur für uns selbst haben möchten
Eifersucht ist nämlich die andere Seite der Treue. Da Treue alles schön und für immer erhalten will, will sich die Eifersucht allem entgegenstellen, was dieses dauerhaft Schöne gefährden könnte, vor allem gegen den Dritten – die Konkurrenz. Treue und Eifersucht sind zwei Seiten derselben Medaille. Beide quellen aus derselben Forderung nach exklusiver Nähe und Eigentum, die der Säugling an die Mutter stellt, und die derjenige, der liebt, immer wieder an seinen Partner richtet. Der Liebende fürchtet sich den Partner verlieren zu können, wenn er ihn mit anderen teilen müsste. Wenn er diese Angst nicht verspüren würde, gebe es auch keine Forderung nach Treue und Menschen könnten Liebe mit anderen teilen. Sie könnten sich zusammenschließen und jedem das Seine gönnen. Doch dieses ist für uns alle, zumindest in der Regel, ein zu große Anforderung.
Warum erachten wir Treue als selbstverständlich?
Treue ist ein selbstverständliches Ergebnis von Liebe, solange die Liebe blüht und keine Probleme mit sich bringt. Darum können sich junge Paare mit Leichtigkeit Treue versprechen. Es fällt ihnen nicht schwer, dieses Versprechen auch einzuhalten. Anders sieht es dann aus, wenn sich die Liebe nicht mehr so frisch und exklusiv anfühlt. Sobald andere Partner auf dem Horizont zu erkennen sind, die diese Liebe würdig wären oder nur einfach attraktiv erscheinen, so wird aus der Gelegenheit Liebe und zugleich auch Untreue. Die Liebe wird bald geteilt, und da Exklusivität eine Regel ist, wird Liebe von dem einen auf den anderen Partner übertragen.
Die Mehrheit von uns sind Erpresser
Oft ist dies der Grund für eine Scheidung, die Auflösung der Ehe, Eifersucht und das Schlittern in neue Beziehungen gemäß der alten Erpresserregel: "Entweder er/sie oder ich, du musst dich entscheiden!" Und so beginnt eine neue Beziehung, mit neuen Treueschwüren und neuen Tücken. Ein fesselndes Spiel ohne Ende, solange man darauf besteht, in der Beziehung kein drittes Glied als Ergänzung oder Konkurrenz zu dulden.
Es sieht so aus, als wäre diese Vorstellung tief in uns verwurzelt und als wäre uns diese zwischen all den möglichen Alternativen (Stereogamie gegen Monogamie) am nächsten und am einfachsten. Treue gilt demnach als die Folge davon.
Wann wird Treue unpraktisch?
Treue kann zu einem engen Panzer und einem Krampf werden, wenn sie nicht durch Liebe gestützt wird. Natürlich ist es möglich, die Meinung zu vertreten, dass Treue auch dann noch Pflicht ist, dass die Ehe als Werteform für sich selbst aufgrund der Sorge um die Kinder steht, dass die Ehe bestehen bleiben muss, um den eigenen gesellschaftlichen Status nicht zu gefährden und gemeinsam alt zu werden. Aus dieser Sicht kann Treue auch eine Art Schutz vor allzu großen Schwankungen zwischen den mit Liebe verbundenen Emotionen sein. Aber dort, wo diese Emotionen schon verwelkten und begraben wurden, dort ist Treue bloß noch ein klappriges Gerüst ohne „Fleisch und Blut“, dem nie wieder neues Leben eingehaucht werden kann.
Sprechen Sie sich mit ihrem Partner über Ihre Gefühle aus! Aber hüten Sie sich davor, einander Vorwürfe zu machen. Sprechen Sie über sich. Durch Vorwürfe wird die Kluft zwischen Ihnen nur noch größer.
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