Wenn der Sex nicht den Wünschen entspricht …
Sex kann die schönste Nebensache der Welt sein. Wenn jedoch dunkle Wolken aufziehen, können sich die Dinge schnell verändern.
Sexuelle Probleme belasten die ganze Beziehung. (PhotoXpress)
Was die Männer betrifft, drehen sich alle sexuellen Probleme nur um den Penis, während sexuelle Störungen bei der Frau unterschiedliche Formen annehmen können und komplexer sind. Ungefähr die Hälfte aller Frauen leidet an einer sexuellen Störung, die Behandlung ist meistens auch schwieriger als bei den Männern, da mehrere Aspekte berücksichtigt werden müssen. Sowohl Gefühle wie auch der physische Aspekt selbst spielen eine Rolle.
Frauen
10 Orgasmen in einer Stunde
Eine von vielen sexuellen Störungen bei den Frauen ist das dauernde bzw. konstante Gefühl einer Erregung. In Amerika wurde dieses Syndrom PSAS (Persistant Sexual Arousal Syndrom) benannt. Die Frau hat konstant das Bedürfnis, einen Orgasmus zu erleben, auch wenn ihre Gedanken nicht sexueller Natur sind. Als die Amerikanerin Jeannine Allen, die Gründerin der Internetseite für Frauen mit PSAS, über ihre sexuellen Probleme mit ihrem Gynäkologen sprach, lächelte dieser nur und meinte, dass sie den Traum aller Männer personifiziert. Gerade diese Einstellung hat Jeannine davon abgehalten, weitere Ärzte aufzusuchen, weswegen sie sich dazu entschied, sich selbst zu helfen. Sie bereicherte ihr gesellschaftliches Leben, sie verbrachte viel Zeit in der Natur, mit ihren Enkelkindern und Freundinnen, vergas allmählich ihr Problem und schenkte dem immer weniger Aufmerksamkeit. Weil sie sich zu sehr davor schämte, ihrem Mann davon zu erzählen, ließ sie sich scheiden. Eines Tages wollte sie sich in Ruhe bis zum Gehtnichtmehr selbst befriedigen. Sie wollte ihre sexuellen Grenzen austesten und der Sache wenigstens so weit auf den Grund kommen, damit sie weiß, wie viele Orgasmen sie braucht, um wirklich befriedigt zu werden. Als sie zehn in einer Stunde bekam, hörte sie auf, da sie weitere Lust verspürte. Obwohl sie sich dessen bewusst ist, dass man nach den physischen und nicht nach den psychischen Ursachen suchen muss, ist ihr noch heute nicht gelungen, eine Diagnose aufzustellen. Das haben bislang nicht einmal die Ärzte geschafft.
„Ich habe Sex nur wegen der Bedürfnisse meines Mannes“
Die weiblichen Sexualstörungen können in vier Formen zum Vorschein kommen: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Orgasmus-, Lust- und Erregungsstörung. Am häufigsten kommen Schmerzen und Orgasmusstörungen vor, viele klagen auch über Luststörungen, also darüber, dass sie keine Lust auf Sex bekommen. Mit solchen sexuellen Problemen befasst sich Dr. Laura Berman, die Direktorin des Berman Center in Chicago. Bei ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf die sexuelle Gesundheit, wobei sie die Frau als Ganzes in Augenschein nimmt und nicht nur die physischen Symptome bzw. die physische Dysfunktion. Dr. Berman erklärt, dass sich die Frauen während ihrer Behandlung bewegen und turnen, aber auf keinen Fall nur passiv auf der Stelle sitzen. Bei der Behandlung muss auf alle Aspekte Rücksicht genommen werden: den Körper, das Selbstbild, das emotionale Befinden und dessen Geschichte, den Gesundheitszustand, das Selbstvertrauen und die Beziehung, die die Frau führt. Weiter erklärt sie, dass ihr viele Frauen anvertrauen, dass sie mit ihren Männern nur ihnen zuliebe Sex haben, was Dr. Berman positiv begrüßt. Es wäre viel schlimmer, wenn sie ihren Mann zurückweisen und von sich stoßen würden.
Männer
Erektionsstörungen
Männer haben oft ein Problem eine Erektion zu bekommen oder diese beizubehalten. Dr. Ava Cadell, eine Sexologin aus den USA, meint, dass Männer erst dann zu ihr kommen, wenn sie schon fast verzweifelt sind, da es ihnen peinlich ist, Hilfe zu suchen. Die Bioenergetikerin Marta Hellisen behandelt Erektionsstörungen bei den Männern auf eine besondere Weise. Viagra kommt für sie gar nicht in Frage, da sie glaubt, dass es nur für einige Zeit die Symptome verschwinden lässt, jedoch die eigentlichen Ursachen für die Störung überhaupt nicht angeht. Sie lehrt ihre Patienten, richtig zu atmen, ihren Körper zu erleben, sich richtig zu massieren und vollkommen zu entspannen. Natürlich ruft die Unfähigkeit eine Erektion zu erleben bei den Männern Gefühle wie Scham, Misserfolg und Enttäuschung hervor. Aber wird der richtige Sexologe gefragt, werden die sexuellen Probleme schnell gelöst und behoben.
„Ich komme zu schnell“
Dr. Eli Coleman, Professor für Sexualität an der Universität in Minnesota, definiert die vorzeitige Ejakulation als einen Erguss, der nach einer Minute Sex stattfindet. Die Ursachen stecken in der sog. Hypererregung. In einem solchen Fall wird der Mann schnell erregt, er fühlt seine Erregung sehr intensiv und durch das weitere Reizen wird er in einen Zustand versetzt, in dem er seinen Orgasmus zeitlich nicht mehr kontrollieren kann. Wenn so etwas häufig der Fall ist, bekommt der Mann das Gefühl, dass er seine Partnerin immer wieder aufs Neue enttäuscht. Für diese Art von sexuellen Problemen gibt es physische Techniken zur Hinauszögerung des Orgasmus.
Die sexuellen Probleme beeinflussen nicht nur denjenigen, der sie hat, sondern sie können die ganze Beziehung gefährden. Wenn der Betroffene den Wunsch äußert, einen dieser Probleme zu lösen, muss er zuerst die Scham und Angst überwinden. Zuerst muss man die Angst bezüglich der Störung loswerden, da bei manchen sogar eine Angst vor dem Geschlechtsverkehr hervorrufen kann. Der größte Fehler, den ein Paar machen kann, wenn sich sexuelle Probleme zeigen, ist, dem Partner die Schuld für ein schlechtes Sexualleben geben. Damit bewirkt man nichts Gutes. Man sollte sich gegenseitig helfen, die sexuellen Probleme bewältigen und das Sexualleben gemeinsam verbessern, da guter Sex das Immunsystem, die Beziehung, die Empfindungen und das Leben an sich positiv beeinflusst.































